Zurück ins Warme – Guatemala, ich komme!

Die Rückkehr nach Zentralamerika lässt sich ganz einfach erklären: ich friere! Nach über zwei Monaten Kanada langt es mir mit Kälte. Die muss ich ja noch früh genug ertragen, wenn es bald wieder nach Hause geht.  Und als ich den Flughafen in Guatemala City verlasse, freue ich mich ungemein als ich die warme Luft auf meiner Haut spüre. Ich weiß, dass das die richtige Entscheidung war: Die Batterien mit Sonne, Strand und Meer aufladen bevor es in den deutschen Winter geht. Ja, jeder der sich ein Wenig auf der Weltkarte auskennt, weiß natürlich, dass es Guatemala mit Strand und Meer jetzt nicht so üppig ist. Aber warm, warm ist es!

Vier Stunden warten auf den Bus – in Guatemala normal

Eine kurze Nacht verbringe ich in der Hauptstadt, um direkt am Morgen mit einem Bus die Reise nach Lanquin anzutreten. Dort bin ich am nächsten Tag mit Kieran, den ich in Panama kennengelernt habe und seinen Freunden Rene und Jennifer verabredet. Alle stammen aus Neuseeland und reisen auch seit längerem. Der erste Bus bringt mich zum großen Busterminal, wo ich den recht komfortablen Bus nehme der mich zunächst nach Chipam bringt. Dort suche ich mir einen Minivan um weiter nach Lanquin zu kommen. Die Jungs, die diesen steuern sollen, stellen mich auf eine echte Geduldsprobe. Denn zu Beginn heißt es, dass wir in einer Stunde losfahren, dann verschiebt sich das Ganze um eine weitere Stunde und letztendlich brechen wir vier Stunden später auf. Spitze, ich fühle mich direkt wieder angekommen in Zentralamerika.

„Hello again“ in Lanquin

Am späten Abend komme ich dann endlich in meinem Hostel an, das sich sanft in die umliegenden Hügel schmiegt und einen wunderbaren Pool mit Ausblick bietet.  Der nächste Tag beginnt mit River-Tubing – im strömenden Regen. Soviel zur Sonne… Aber wir haben trotzdem unseren Spaß und als Kieran, Rene und Jenn am Abend eintreffen, bin ich bester Laune und freue mich sehr über das Wiedersehen mit Kieran.

Semuc Champay – ein Naturwunder

Den nächsten Tag verbringen wir nach einer kurzen Nacht am Pool und planen die weiteren gemeinsamen Tage. Warum wir eigentlich in Lanquin gelandet sind, sind die natürlichen Wasserbecken von Semuc Champay, die durch den Rio Cahabon gespeist werden. Ein echtes kleines Naturwunder. Wir machen uns mit einer Gruppe aus dem Hostel auf zunächst eine nahegelegene Höhle zu erkunden – das ist spannender als es sich zunächst anhört. Denn dort ist es pechfinster, wir bekommen eine Kerze in die Hand und hangeln uns im tiefen und kalten Wasser rund zwei Stunden durch die Höhle, springen in Wasserfälle, kriechen durch Löcher und versuchen uns nicht an den messerscharfen Steinen zu verletzen. Mir gelingt das besser als manch anderem.

Nach diesem Abenteuer stürzen wir uns von einer Schaukel in den Fluß, was mächtig Spaß macht, um dann in Schwimmringen auf dem Wasser zu treiben. Danach nehmen wir den Anstieg zu den Pools in Angriff – bei 40 Grad keine leichte Aufgabe. Doch der Blick, den wir von dem Aussichtspunkt auf die Wasserbecken haben, entschädigt uns für die Anstrengung.

Lago de Atitlan – Abgeschiedene Ruhe am See

Zwei Tage später brechen wir vier auf um an den Lago de Atitlan, den zweitgrößten See Guatemalas, zu fahren. Dort wohnen wir direkt am Wasser und genießen einen wunderbaren Blick auf den See und die Vulkane San Pedro, Atitlan und Toliman. Um die Gegend zu erkunden laufen wir bis nach Jaibalito, wo wir in einem kleinen Café Jan kennenlernen. Der Lebenskünstler aus Deutschland erzählt uns von seinen Reisen und lädt uns in sein Haus ein, um uns auf der Geige vorzuspielen. So sitzen wir wenig später auf Jans Terrasse mit Aussicht auf den See und lauschen seiner Geige. Irgendwie surreal, aber schön. Tja, und dann erwischt es auch mal mich. Nach knapp 11 Monaten Weltreise liege ich mit einer 24-Stunden-Grippe flach und bin mehr als dankbar, dass sich der Rest gut um mich kümmert.

„Good Bye“ in Antigua und auf nach Flores

Sobald ich wieder unter den Lebenden bin, geht es weiter: Antigua heißt der nächste Stopp. Hier verlässt uns dann auch Kieran, der zurück nach Neuseeland fliegt.  Seinen letzten Abend starten wir im wohl verrücktesten Supermarkt der Welt „La Bodegona“, der unter Backpackern wirklich berühmt ist. Und das wegen zwei Dingen: Zum einen gibt es hier die merkwürdigsten „On Pack“-Aktionen, die man auf der Welt sehen kann. So bekommt man zum Beispiel zur Riesentüte Chips einen Plastikhocker dazu oder zur Flasche Rum einen Kloreiniger inklusive passendem Kochlöffel. Zum anderen ist er für seine Verkostungen bekannt, die uns als Backpacker auch beim zweiten Mal Antigua täglich in den Supermarkt führen. Käse, Schinken, Champagner, Whiskey, Bier, Brot, Nüsse – alles bekommt man zum Probieren in die Hand gedrückt. Und geht satt und leicht angeschickert aus dem Supermarkt heraus.

Da ich mich mit Rene und Jenn aber so wunderbar verstehe, beschließen wir, zu dritt weiterzureisen. Das wirft meine Pläne etwas über den Haufen, aber es lohnt sich. Die zwei bleiben für eine Woche in Antigua um einen Sprachkurs zu machen. Ich setze mich zwei Tage später in den Nachtbus nach Flores, um mir die Maya-Ruinen von Tikal anzuschauen.

Tikal – noch mehr Maya geht kaum

Um sechs Uhr am Morgen werde ich mit weiteren Hostelgästen von der kleinen Halbinsel Flores nach Tikal gefahren. Wir haben Glück und sind an diesem Morgen ganz unter uns, keine anderen Besucher weit und breit. Die antike Maya-Stadt im Regenwald ist eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jahrhundert) und eine der am besten erforschten Maya-Stätten. Unser Guide weiß jede Menge zu erzählen und mich beeindruckt dieser Ort mit seiner Geschichte sehr. Wir erfahren, dass jeder Hügel auf dem riesigen Gelände nicht nur ein schnöder Hügel ist. Vielmehr versteckt sich unter jedem dieser Erdhügel ein weiterer Tempel, der aus Kostengründen einfach noch nicht freigelegt wurde und es vielleicht auch niemals wird. Das ganze Gebiet ist mittlerweile Weltkulturerbe. Für den Tikalbesuch braucht man Zeit, ich laufe viel und erklimme die Stufentempel und  lasse die Bauwerke und den Ausblick auf mich wirken. Immer wieder entdecke ich in den Baumwipfeln Brüllaffen. Der Name ist bei diesen Tieren übrigens Programm: Ihr Geschrei ist irrsinnig laut und lässt mich hin und wieder zusammenzucken. Ach, der ein oder andere kennt Tikal vielleicht auch aus Star Wars…

Zurück in Flores streife ich am frühen Abend mit Jess, einer Australierin, die ich im Hostel getroffen habe, durch die Gassen des süßen Städtchens. Letztendlich landen wir am Ufer des Petén-Itza-Sees und genießen das tolle Streetfood mit, ich schwöre es, dem besten Bananenkuchen der Welt. Und ich habe auf meiner Reise sehr viel Bananenkuchen gegessen.

Vulkane, Vulkane, Vulkane – Antigua, ich bin wieder da

Mit dem Nachtbus geht es wieder zurück nach Antigua, wo ich wieder auf Rene und Jenn treffe und mit ihnen einige Tage in der in der barocken Kolonialstadt verbringe. Antigua ist traumhaft schön, zwischen halbzerstörten Barockkirchen und schattigen Patios finden sich hochkarätige Restaurants und schnuckelige Cafés, die mit leckerem regionalen Kaffee und Schokolade locken. Antigua wird von den Vulkanen Agua, Acatenango und den noch aktiven Fuego und Pacaya umgeben. Wenn man Glück hat, sieht man diesen in der Nacht hin und wieder Feuer speien. Um endlich mal ein bisschen mehr als Pflastertreten zu machen, beschließen wir genau diesen Pacya am nächsten Tag zu besteigen. Der Blick von dort oben soll toll sein und man kann sogar Marshmallows im heißen Gestein grillen. Das hat mich dann letztendlich überzeugt und wir haben den dreistündigen, nicht ganz unanstrengenden Aufstieg in Angriff übernommen. Das macht man übrigens am besten mit einem Guide, denn auf dem Weg nach oben gab und gibt es immer wieder bewaffnete Raubüberfälle auf Touristen. Mit dem Wetter haben wir leider Pech! Wir stapfen in dicker Nebelsuppe den steilen Weg hinauf und bleiben an jedem Aussichtspunkt stehen und betrachten das graue Nebelmonster vor uns. Die umsichtige guatemaltekische Touristeninformation hat aber an jedem Punkt eine große Tafel aufgestellt, die ein Foto ohne Nebel zeigt. So können wir uns ungefähr vorstellen, wie spektakulär der Ausblick mit klarer Sicht wäre.

Marshmallows auf dem Vulkan Pacya

Je höher wir kommen, desto frischer und windiger wird es und ich bin echt gesagt ganz erleichtert, als unser Guide endlich die Marshmallows auspackt und wir die Dinger auf den heißen Steinen grillen. Auch beim Abstieg ist das Wetter nicht gnädiger: es fängt an zu regnen und wir sind froh, als wir endlich wieder im Bus sitzen und in die Stadt zurückgekarrt werden. Hier scheint übrigens natürlich die Sonne. Der letzte Abend in Guatemala ist vor allem durch die Planung unseres nächsten Stopps geprägt. Es geht nach El Salvador! Dieses Land stand eigentlich garnicht auf meiner Route, doch möchte ich mich noch nicht von meinen Kiwis trennen und freue mich auf zehn weitere gemeinsame Tage. Auf geht’s in das Land mit der welthöchsten  Rate als gewaltsamen Tötungen. Yeah!

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So sehen Hostel-Pools in Guatemala aus

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Sonnenaufgang in Lanquin

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Unter dem Wasserfall

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Das Naturwunder Semuc Champay

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Tubing again

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Die Guatemala-Crew

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Lago de Atitlan

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Sonnenaufgang mit Blick auf den Vulkan

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Kaffeetrinken ist in Antigua Pflicht

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Im verrücktesten Supermarkt der Welt

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Reflektionen auf dem Peten-Itza-See

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In den Straßen Flores

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Sonnenuntergang am Seeufer

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Tikal – einfach nur WOW

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Ein Brüllaffe in den Wipfeln des Regenwaldes

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Unglaublich lecker und ganz links der beste Bananenkuchen der Welt

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Auf Entdeckungstour in Antigua

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Der Blick von der Hostelterrasse

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Der beste Blick auf Antigua

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Pacaya – wie Sie sehen, sehen Sie nichts

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Aber Marshmallows gab’s

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