Heiraten auf balinesisch – Gede traut sich!

Eine traditionelle balinesische Hochzeit – nix, was man als Tourist einfach so mitbekommt. Ich hatte das große Glück, auf die Hochzeit von Gede und seiner Frau Kadek eingeladen zu werden. Gede ist der Sohn unserer Homestay-Mama gewesen und wir beobachten schon 1,5 Wochen vor der eigentlichen Zeremonie die Vorbereitung zur großen Feier. Diese dauerte drei Tage und war ein echtes Spektakel! Freunde und Familienmitglieder versammelten sich jeden Tag auf dem Gelände des Homestays um Opfergaben vorzubereiten, Blumenschmuck zu arrangieren  und das Essen für die Feier vorzubereiten. Und da sind wir auch gleich am zentralen Punkt der balinesischen Hochzeit: das Essen steht neben dem Brautpaar klar im Mittelpunkt.

Am Freitag begannen die Festlichkeiten mit einem kleinen Buffet für alle. Als wir langsam morgens alle aus unseren Zimmern raus schlappten um zu frühstücken, wurden wir sofort angehalten uns unbedingt am Buffet zu bedienen. Das ging letztendlich drei Tage so! Ab morgens bis spät in den Abend gab es Unmengen von Essen und aus Höflichkeit aßen wir eigentlich auch den ganzen Tag. Gut, es gibt natürlich Schlimmeres!

Selbstverständlich bestand die dreitägige Hochzeit nicht nur aus Essen. Täglich gab es verschiedene Zeremonien und diese gipfelten dann darin, dass wir alle am Montag in traditionelle balinesische Gewänder gekleidet wurden und mit den rund 200 Gästen zum Elternhaus der Braut gefahren wurden. Dort trafen wir auf Kadeks Familie und es gab, natürlich, ein Riesenbuffet bevor das Brautpaar in einer kurzen Zeremonie gesegnet wurde. Danach setzte sich der gesamte Tross in Bewegung und es ging zurück zu Gedes Elternhaus, wo das nächste, noch größere Buffet auf uns wartete und die nächste Segnung des Paares durch einen Geistlichen auf dem Plan stand.

Diese drei Tage waren einfach unglaublich zu beobachten. Was bei uns ein Job für den Hochzeitplaner ist, übernahm hier komplett die weitläufige Verwandtschaft. Jeder packt mit an und hat seine Aufgabe, da erscheinen die Vorbereitungen einer deutschen Hochzeit als eine wirklich einsame Sache. Dieser Zusammenhalt hat mich schwer beeindruckt. Auch der ganze Prunk, die Farben der Festkleider und das Schönheitsideal sind ein ganz anderes als wir es kennen. Gede trug, wie es Tradition ist, zu seinem Sarong mehr Make Up als ich es jemals in meinem Leben getan habe. Die beiden waren ein wunderschönes Paar und es war ein bisschen wie im Märchen. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieser wundervollen Hochzeit sein durfte – sicherlich etwas, was mir lange im Gedächtnis bleiben wird!

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Die Hochzeitsvorbereitungen

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Bereits auf der Straße soll jeder erkennen: Hier wird geheiratet!

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Hammer T-Shirt, Gede!

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Kadek und Gede am ersten der Feierlichkeiten bei der Zeremonie

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Bereits etwas müde an Tag 2

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Jeden Tag ein anderes Outfit

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Das Brautpaar im traditionellen Hochzeits-Gewand

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Gede mit seiner Mutter


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Die Homestay-Familie in traditioneller balinesischer Kleidung mit dem Brautpaar

Ab nach Hause!

Das heißt in meinem Fall Anfang Dezember: zurück nach Bali! Die Insel war meine erste Station und schon nach wenigen Tagen war mir damals klar, dass ich zurückkehren werde. Dass es so schnell passiert, hätte ich aber nicht gedacht. Nach vier Wochen Weltreise war mir nach Durchschnaufen – vielleicht für manche nicht nachvollziehbar oder zu früh, aber für mich war es die absolut richtige Entscheidung. Ich habe gemerkt, dass mich das langsame Reisen zufriedener macht und mich ruhiger sein lässt. Das ständige Rucksackpacken, in neue Unterkünfte ziehen und sich immer auf neue Umgebungen und Menschen einlassen, schlaucht mich. Ich brauche die Entschleunigung und jeder, der mich wirklich gut kennt, wird jetzt vielleicht schmunzeln. Aber genau das wollte ich auf meiner Reise auch lernen: Das Leben langsamer und bewusster leben, nicht nur rastlos auf der Suche nach was auch immer durch die Gegend hetzen, sich über die Kleinigkeiten freuen, die jeden Tag unverhofft passieren. Und genau auf dieser Insel habe ich das alles gefunden. Nur so viel vorweg:  Keine Wehmut, ich kann das auch an anderen Orten finden. Habe ich getestet.

Auf Bali hatte ich einen Anlaufpunkt und konnte zwei Wochen bei Ben wohnen, den ich auf meiner Reise kennengelernt habe.  Ich hatte für zwei Wochen ein Zuhause, wohnte mit ihm in einem kleinen Homestay bei einer wunderbaren balinesischen Familie im Surferort Canggu. Bali hat mir genau das gegeben, was ich brauchte: ein wenig Alltag in der Ferne, wunderbare Menschen um mich herum, Strand, Sonne und Meer. Bali ist einer dieser Orte, die ich auf meiner Reise kennenlernen wollte. Ein Ort, zu dem ich sofort einen Draht hatte, mich super wohl gefühlt habe und immer nur gedacht habe: Das hier fühlt sich richtig an. Und so war es auch oder gerade bei meiner Rückkehr.

Alles fing ein wenig holprig und ganz anders als geplant an: Ich lernte während meines Zwischenstopps auf dem Flughafen Kuala Lumpur Flora aus Holland kennen und wir saßen im Flieger nach Bali nebeneinander und unterhielten uns gut. Der Schockmoment kam bei der Landung in Denpasar, Flora hatte den kleinen Beutel mit all ihren Kreditkarten verloren. Große Aufregung und pure Panik: Sie hatte keinen Cent dabei, wollte eigentlich am Flughafen direkt Geld abheben. Schnell war klar, dass es eigentlich nur eine Lösung gab. Flora fuhr nicht wie geplant nach Ubud, sondern kam mit nach Canggu, schlief bei uns im Homestay und ich lieh ihr am nächsten Morgen Geld zur Weiterreise. Und das ist der Punkt, an dem ich ziemlich stolz auf mich war. Ich hatte mein stark ausgeprägtes Misstrauen einfach mal ignoriert und was für die Karma-Abteilung in meinem Kopf getan! Denn ich kann nur sagen: Wenn ich jemals in so einer Situation sein sollte, wünsche ich mir einfach nur einen Menschen, der mir den gleichen Vertrauensvorsprung entgegenbringt und einfach mal ans Gute im Menschen glaubt. In diesem Fall wurde ich nicht enttäuscht, Flora überwies mir das geliehene Geld und wird trafen uns einige Tage später wieder in Canggu.

In den zwei Wochen auf Bali habe ich jede Menge Ausflüge gemacht und ganz unterschiedliche Seiten der Insel kennengelernt. Mit dem Roller ging es zum Tempel Tanah Lot, begleitet von Unmengen an Touristen und meiner ständigen Panik, den Schlangen zu nahe zukommen, die zur Belustigung der Besucher rumlungern. Ein Treffen mit Bloggern in Uluwatu führte ungeahnt zu einem spontanen Check-In ins 5* Hotel „Le Grand Bali“, dass in dieser Nacht zum Schnäppchenpreis zu haben war. Der Blick der Security als wir mit Roller, Minibeutel und in Badeklamotten dort auftauchten war unbezahlbar und der Roller machte sich zwischen den Luxuskarren auf dem Parkplatz ganz gut. Ein bisschen Luxus und den bis dahin teuersten Cocktail der Reise gab es Sonntagnachmittags im Pool des Beach Club „Potato Head“ in Seminyak. Ganz bodenständig war der Ausflug auf den Markt in Denpasar und das anschließende Kochen in der kleinen offenen Küche unseres Homestays unter den Augen der Familie. Endlich wurde damit meine unbändige Lust auf Spaghetti Bolognese gestillt. Die war zudem Zeitpunkt schon so übermächtig, dass ich sogar davon träumte. Und es war grandios lecker!

Das kleine Canggu bot mir alles, um sich dort wohl zu fühlen: Tolle Cafés, Bars und Warungs, schöne kleine Shops, einen kilometerlangen Strand und viele Surfer, denen man so schön zugucken kann. Und da war es auch gar nicht schlimm, wenn morgens früh nach einer langen Nacht im „Old Man’s“  der Wecker klingelte und es noch vor dem Frühstück mit Ben und Nachbar Steve an den Strand ging, für die Jungs mit dem Surfbrett ins Wasser und für mich mit der Kamera an den Strand. Ein absolut toller Start in den Tag!

Ich kann jetzt schon sagen: Bali, Du bist auf dem Weg eine große Liebe zu werden und wir sehen uns ganz sicher wieder!

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Unterwegs mit dem Roller – auf Bali das tollste Fortbewegungsmittel

 

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Tanah Lot

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Uluwatu

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Surfer am Strand von Uluwatu

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Sightseeing in Uluwatu

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Im Beachclub Potato Head

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Das Homestay Bu Didin

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Bony, mein Homestay-Pflegekind

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Meine „Homestay-Familie“

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Frühstück im Crate Café

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Steve beim Surfen

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Sonnenuntergang in Canggu – natürlich mit Surfer

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Tolle Sonnenuntergänge gibt’s auf Bali jeden Abend

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Wahre Worte

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Balinesische „Weisheit“

 

 

Gili Air – Meer, Strand, Sonne und einfach nix zu tun

Nach einer Woche im wunderbaren Ubud hieß es für mich, den Rucksack packen und ab nach Gili Air. Ich gebe zu, bevor ich mich mit möglichen Stopps meiner Weltreise beschäftigt hatte, habe ich nie von den Gili-Inseln gehört. Desto mehr ich aber darüber gelesen haben, war  für mich klar, da will ich hin!

Die drei kleinen Gili-Inseln – Air, Meno und Trawangan (kurz: T) – liegen nahe der nordöstlichen Küste von Lombok und bieten Traumstrände und glasklares Wasser. Für mich ging es mit den Fastboat von Padang Bai nach Gili Air und nachdem ich den wuseligen Hafen hinter mit gelassen hatte, war vor allem eins bemerkenswert: Die Stille. Nach 1,5 Wochen auf Bali hatte ich mich schon an den Lärm der knatternden Scooter und das ständige Hupen gewöhnt (ja, so kündigt man sich als Fahrer in einer Kurve an, beschwert sich bei anderen über schlechtes Fahrverhalten oder grüßt jemand am Straßenrand – also, einfach immer lustig hupen, passt eigentlich jeder Zeit). Doch auf den Gilis gibt es keine Scooter, keine Autos, sondern nur Pferdekutschen, Fahrräder und E-Scooter. Mit dem Rucksack auf dem Rücken machte ich mich auf den Weg zu meiner Unterkunft und fand sie am östlichen Strand rund 100 Meter von Meer entfernt. Mein Gastgeber, der Franzose Jaques, empfahl mir ein paar Restaurants, bot mir einen Schnorcheltrip an und gab mir den  besten Tipp für Gili Air: „Just relax and do nothing!“

Nach einem ersten Rundgang über die Insel war mein Urteil gefällt: Ein kleines Paradies für das man eigentlich nur einen Bikini, ein Handtuch, Sonnencreme, ein bisschen Kleingeld und vielleicht ein Buch braucht. Nicht mal Flip Flops sind wirklich notwendig, denn eigentlich bewegt man sich nur auf weichen Sandwegen.  Am Strand reihen sich kleine nette Restaurants, Cafés und Bars aneinander und Touristen waren in diesen Tagen kaum unterwegs.

Ich nahm Jaques Worte ernst und ließ mich treiben: Schwimmen, Schnorcheln, Lesen, Sonnenauf- und Untergänge beobachten und die Nachmittage in den Sofas der Legend-Bar verbringen. Traumhaft! Unterbrochen wurde das Ganze nur leider von einem Tag im Bett bzw. über dem Eimer. Mein Magen rebellierte, aber nach 24 Stunden war ich wieder hergestellt.

Mein absolutes Highlight war der Schnorcheltrip. Zu sechst machten wir uns am Morgen mit unseren Guides auf den Weg und schon nach dem ersten Eintauchen ins warme Wasser zeigte sich die wunderschöne Unterwasserwelt: leuchtende Korallen in Violett, Blau, Grün und Gelb, schillernde Papageienfische, Clownfische, Glasfische, eine Wasserschlange, eine kleine Moräne und für mich das schönste: Wasserschildkröten, die langsam und entspannt durchs mehr glitten.

Nach Gili Air will ich zurück und das ruhige Leben genießen, im Badewannenwarmen Wasser rumdümpeln, die wunderschönen Sonnenuntergänge beobachten, ein Sundowner Bintang am Strand trinken und einfach nix tun. Der Abschied von diesem kleinen Paradies fiel mir schwer und hätte ich nicht den Flug nach Myanmar gebucht (einer von drei Flügen, die ich überhaupt nur vor meiner Abreise aus Deutschland gebucht hatte), wäre ich sicherlich noch länger geblieben. Aber so ging es am Sonntag zurück nach Bali und ich verbrachte meinen letzten Abend auf der Insel in bester Gesellschaft in Kuta (übrigens kein Ort den man gesehen haben muss).

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Der Anlegepier von Padang Bai

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Restaurant am östlichen Ufer von Gili Air

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Strandidylle

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Sundowner in der Mirage-Bar

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Sonnenuntergang über Gili Meno

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Sonnenaufgang über Lombok

 

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Die zwei Fortbewegungsmittel auf Gili Air: Pferdekutsche und Fahrrad

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So kann man auf Gili Air wohnen

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Die Kuh im Garten

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Einer meiner Lieblingsorte auf der Insel: Die Legend-Bar

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Meine Badewanne und ich

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Eleganz pur 😉

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Auf dem Weg zum Schnorcheln

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Das erste Mal in meinen Leben sehe ich das Ende des Regenbogens

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Mein letzter Sonnenuntergang auf Gili Air

Mal ein bisschen Kultur – Pura Ulun Danu Bratu, Gitgit, Jatiluwih und Tegallalang

Bali wird oft als die Insel der tausend Tempel bezeichnet und das absolut zu recht! Es wimmelt nur so davon: Es gibt sie auf den Märkten, an der Straßenecke, in den Reisfeldern, auf Bergen (natürlich auch auf dem Mount Batur)und in zahlreichen Hinterhöfen. Schlendert man durch die Seitengassen von Ubud entdeckt man hinter fast jedem schmuckvoll verzierten Tor einen kleinen Schrein, der die bösen Geister abhalten soll.  Erstaunlich, wie natürlich der balinesische Hinduismus ganz einfach in den Alltag integriert wird. Auf den Straßen stolpert man eigentlich sekündlich über die kleinen Opfergaben, die die Balinesen ihren Göttern machen. Die kleinen Bambusnester sind oft mit Blüten, Räucherstäbchen und Obst oder Reis bestückt. Diese täglichen Opfergaben sind ein Zeichen des Respekts für all die Geister der Verstorbenen, Götter und Dämonen.

Bei meiner Tour über die Insel habe ich neben vielen kleinen Tempeln auch den 1663 erbauten Pura Ulun Danu Bratu besucht, einen bedeutenden Wassertempel, gewidmet Shiva, am Ufer des Bratansees in 1200 Metern Höhe. Von dort aus ging es weiter zum Wasserfall von Gitgit: beeindruckende 35 Meter hoch ist er und liegt im Dschungel, ist aber gut mit einem kleinen Spaziergang zu erreichen. Auf dem Weg zum Wasserfall wurden Made, mein Guide und ich von ohrenbetäubendem Lärm begleitet und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer oder was diesen fabriziert. Made erzählte (schreiend, sonst hätte ich ihn nicht gehört), dass ein kleiner Käfer, rund 3-5 cm groß, dafür verantwortlich ist. Man kann nur beten, dass sich dieser Kerl nicht rund um das eigene Hotel befindet, denn das bedeutet schlaflose Nächte.

Nächster und letzter Stopp war für uns an diesem Tag die Reisterrassen von Jatiluwih, in der Region Tabanan.  Was man da zu sehen bekommt, scheint fast unwirklich: Unendliche Reisfelder, angeordnet auf Terrassen, die in den schönsten Grünnuancen regelrecht leuchten. Wirklich traumhaft. Und weil’s so schön war, bin ich einige Tage später mit Travelblogger Ben von BenumdieWelt nochmal mit den Scooter in die Reisterrassen von Tegallalang gefahren. Einfach traumhaft! Zu recht gehören die Reisterrassen auf Bali seit 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Mittlerweile bin ich auf Gili Air angekommen, einem absoluten Paradies ohne Autos, Scooter oder Motorräder. Hier braucht man nicht mal Flip Flops, denn fast alle Wege sind aus weichem Sand. Bikini, Sonnencreme, ein bisschen Kleingeld und ein Sonnenhut langen vollkommen. In meinem Fall ist diese Ausstattung heute noch um einen Eimer zu erweitern, gestern Abend war wohl was im Essen nicht ganz so frisch. Aber das wird schon…

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Der Pura Ulun Danu Bratu

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Der Tempel liegt am Ufer des Bratansees

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Rund um den Tempel

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Der Gitgit Wasserfall

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Die Reisterrassen von Jatiluwih

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Reisbauer auf den Terrassen von Tegallalang

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Blick in die Reisterrassen von Tegallalang

 

 

Gunung Batur (Mount Batur) – Der Vulkan, der mir meine Grenzen zeigte

Punkt 2:15 am Morgen kroch ich mehr als müde in den Minibus, der mich und andere Reisende zum Mount Batur bringen sollte. Die Fahrt dauerte aufgrund der schlechten Straße rund 1,5 Stunden und wir waren um kurz vor vier am Treffpunkt um den 1.717 Meter hohen Vulkan, der 2000 das letzte Mal ausbrach, zu besteigen. Unsere Guides Made und Whoopy nahmen uns im Empfang und dann begann auch schon, ausgestattet mit Taschenlampen, der zweistündige Aufstieg in der kompletten Finsternis. Zunächst über angenehme Wege mit leichter Steigung, doch bereits nach einer viertel Stunde wurde der Aufstieg anspruchsvoller: die Wege voller Lavageröll brachten uns zum Stolpern, ich suchte Halt an den Felswänden und rutschte doch immer wieder. Nach dem wir uns rund eine Stunde, alle bereits leicht schnaubend, den Berg hochgeschoben hatten, wurde der Weg noch schlechter. Was dann folgte, klassifiziere ich Unwissende als Bergsteigen. Und darauf war ich definitiv nicht vorbereitet.

Der Aufstieg wurde steiler und steiler, das Geröll sorgte nun kontinuierlich dafür, dass ich rutschte und mich immer wieder an Felsen festklammern musste, um nicht den Halt zu verlieren. Man beachte: das alles natürlich in kompletter Finsternis. Das war letztendlich aber auch besser so, denn hätte ich den steinigen Weg sehen können, hätte ich kapituliert. Kurz darauf tat das dann aber in Ansätzen mein Körper: mir wurde übel und schwindelig, ganz zu schweigen von den zitternden Beinen. Ich ließ mich langsam von meiner eigentlichen Gruppe zurückfallen, um sie nicht zu bremsen. Bei mir blieb Agus, ein 13-Jähriger Balinese, der auf dem Gipfel des Vulkans jeden Morgen Getränke verkauft, bevor er dann gegen 6:15 Uhr wieder ins Tal steigt, um pünktlich um 7:00 Uhr in Schule zu sitzen. Ja, bei so einer Geschichte fühlt man sich als schwitzende und schnaufende deutsche Touristin wirklich ganz wunderbar.

Irgendwann war klar, ich konnte nicht mehr. Meine Beine weigerten sich weiterzugehen, ich setzte mich auf einen Felsen und war damit zufrieden, den Sonnenaufgang nun eben von unterwegs und nicht auf dem Gipfel zu sehen. Doch Agus ließ nicht locker, blieb bei mir und sprach mir gut zu. Genauso wie die Jungs aus Manchester, die ich zuvor überholt hatte und die nun an mir vorbei zogen. Also ging es weiter, in meinem eigenen Tempo und so war ich rund 20 Minuten später auf dem Vulkan angelangt. Ein absoluter Hammer-Moment, denn ein paar Minuten später bahnte sich die aufgehende Sonne über dem Lake Batur ihren Weg durch den Nebel.

Die vielen Reisenden um mich herum und ich beobachteten das Spektakel gebannt und bemerkten zunächst die Affenbande nicht, die sich heranschlich um Essen zu erbetteln. Ich bemerkte den Affen neben mir eigentlich erst in dem Moment als er in meinen Rucksack griff. Erschrocken drehte ich mich um und in dem Moment biss mir das „freundliche“ Tierchen in den Arm. Die Tollwut-Impfung hat sich also bereits nach sechs Tagen Weltreise gelohnt.

Erstmal oben angekommen, war der Vulkan wirklich sehr beeindruckend: Der tiefe Krater, der heiße Dampf, der aus den Felsritzen strömte, die tief in den Berg hineinlaufende Höhle mit jeder Menge Fledermäusen. Einfach toll!

Der zweistündige Abstieg war dann fast ein Kinderspiel und um zehn saß ich fix und fertig aber glücklich auf meiner Terrasse und freute mich über das tolle Omellete, das es zum Frühstück gab. Und morgen ist dann endlich das Spa dran – Buddha-Package mit allem Gedöhns und Chakra Balance. Ich bin gespannt…

Die ersten Sonnenstrahlen lassen sich sehen

Die ersten Sonnenstrahlen lassen sich sehen

Der Sonnenaufgang über den Lake Batur

Der Sonnenaufgang über den Lake Batur

Fix und alle, aber happy!

Fix und alle, aber happy!

Blick ins Tal und das Lavafeld

Blick ins Tal und das Lavafeld

Der Abstieg ins Tal

Der Abstieg ins Tal

Bali – es könnte Liebe werden

Nach langen 20 Stunden bin ich am Montagnachmittag auf Bali angekommen. Ich gebe zu, ich hatte große Erwartungen, konnte mir vorstellen, dass die Insel einer dieser Orte ist, an denen ich mich sofort wohl fühle. Und da die Erwartung so hoch war, hatte ich ein wenig Angst, dass Bali mich vielleicht enttäuscht. Vor meiner Reise habe ich tausende von Blogs gelesen, um mich neben der klassischen Reiseliteratur auf meine Ziele vorzubereiten. Neben sehr vielen begeisterten Berichten über die indonesische Insel, stieß ich aber auch immer mal wieder auf kritische Stimmen: „überschätzt“, „vollgemüllt“, „Ballermann der Australier“ hieß es zum Beispiel da. Also versuchte ich meine Vorfreude etwas zu dämpfen.

Nun bin ich bereits ein paar Tage auf Bali und kann nur sagen: Alles Quatsch – Bali ist fantastisch! Nach meiner Ankunft ging es als erstes nach Canggu, ein Ort an der Westküste, kurz hinter Kuta. Dort hatte ich ein nettes Zimmer in einem schönen balinesischen Haus mit Pool, Außenküche und Wohnzimmer im Freien gemietet. Wunderbar! Am ersten Abend habe ich es noch in den Supermarkt geschafft und mir das Lebenswichtige besorgt: Bintang (lecker, asiatisches Bier), Wasser, Obst und Chips. Auf dem Rückweg hab ich noch einen kleinen Stop bei einer Garküche (Warung) eingelegt und das tollste Nasi Goreng meines bisherigen Lebens verdrückt. Wieder zurück zu Hause bin ich mit Bier und Chips in den Pool gestiegen und habe die letzten Tage an mir vorüber ziehen lassen.

Gerade fühlt es sich alles noch wie ein klassischer Rucksack-Urlaub an und mein Kopf hat immer noch nicht realisiert, dass weder mein nächster Flug und noch der übernächste mich zurück nach Deutschland bringen werden.  Bis das wirklich bei mir angekommen ist, wird es noch einige Zeit dauern.

Der zweite Tag auf Bali begann mit Jetlag – um 4:00 Uhr war ich hellwach. Das hatte aber auch Vorteile: meine Freunde waren absolut begeistert, zu so einer angenehmen Zeit (21:00 in der Heimat) ausführlich mit mir chatten zu können. Nach einem wunderbaren Frühstück im Monsieur Spoon ging es für mich an den Echo Beach, Surfer beobachten, die Gegend erkunden. Als ich am Nachmittag zurück in meiner Unterkunft war, durfte ich am eigenen Leib erfahren, wie sich die Regenzeit in Bali anfühlt. Für eine Stunde schüttete es wie aus Kübeln – im Pool und auf der Terrasse aber ein schönes Spektakel.  Abends ging es mit einem Uber-Taxi (funktioniert hier wirklich grandios) nach Seminyak ein bisschen Bummeln und Menschen schauen. Die tollen Cafés, Restaurants und Läden sind wirklich beeindruckend. Alles so aufgezogen, dass man sich als Expat nur wohlfühlen kann.

Heute habe ich mein nächstes Ziel auf Bali angesteuert: das zentral im Inneren gelegene Ubud. Das Ubud, durch das Julia Roberts in EAT PRAY LOVE stromert. Die Stadt ist das Zentrum des „Healthy Living“ – viele tolle, teils vegane Restaurants, Yogastudio an Yogastudio, alles umgeben von traumhaften Reisterrassen und vielleicht alles ein bisschen esoterischer als für mich gut. Mein B&B liegt zentral in Monkey Forest Road und ist in dem Trubel eine wahre Oase. Auf der Straße reiht sich ein Warung ans andere, Shops und Cafés fehlen auch nicht. Hier lässt es sich absolut aushalten. Ubud ist ausgelegt auf Touristen, aber auf solche, die Yoga, Meditation, „Clean Eating“ über Party, ausgelassenes Treiben in Bars usw. stellen.

Der erste Tag in Ubud liegt hinter mir und ich habe schon ein bisschen was gesehen: Den Ubud Palace (Puri  Saren Ubud), den Seerosen im Garten des Saraswati Tempels und ein erster Spaziergang durch die Reisfelder. Morgen steht der Monkey Forest auf dem Plan und ich möchte ein paar Ausflüge in die Umgebung machen. Und als richtiges Mädchen suche ich mir morgen auch noch ein richtig schönes Spa aus und lass es mir gut gehen…

Auf dem Weg von Canggu zum Strand

Auf dem Weg von Canggu zum Strand

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Old Man's - Eine der Beach-Bars, in der man gewesen sein soll

Old Man’s – Eine der Beach-Bars, in der man gewesen sein soll

Mein Air BnB-Zuhause in Canggu

Mein Air BnB-Zuhause in Canggu

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Im Garten

Im Garten

Frühstück im Canggu Café

Frühstück im Canggu Café

Blick von meiner Terrasse in Ubud

Blick von meiner Terrasse in Ubud

Ubud

Ubud

Saraswati Tempel

Saraswati Tempel

Seerosenteich im Saraswati Tempel

Seerosenteich im Saraswati Tempel

Spaziergang in den Reisfeldern

Abschied – Aufbruch – Ankommen?

Über  zwölf Monate habe ich auf den morgigen Tag gewartet und jetzt ist er da: Es trennen mich nur noch wenige Stunden vom  Abschied nehmen! Ich nehme Abschied von meinen Freunden, meiner Familie, ja von meinem ganzen gewohnten Leben und breche zum größten Abenteuer meines bisherigen Lebens auf. Ich starte meine Weltreise und möchte in den kommenden zwölf Monaten  einige der schönsten Orte der Erde zu bereisen. Und das immer mit dem Sommer!

Ein grober Plan steht, doch ob es dabei bleibt, werde ich erst in den kommenden Monaten wissen. Morgen bringt mich mein Flieger mit Zwischenstopp in Hongkong zur ersten Etappe der Reise: Bali!

Ich freue mich riesig und habe mich mit EAT PRAY LOVE (in Film- UND Buchform) bereits in die richtige Stimmung gebracht! Bali schien mir perfekt als erstes Ziel – ein sanfter Start ins Abenteuer – bevor ich Ende November nach Myanmar fliege.  Nun bin ich gespannt auf die indonesische Insel und freue mich auf Sonne, Meer, Radtouren durch die Reisterrassen (ja, ja, vielleicht doch den Film ein, zwei Mal zu oft gesehen), tolles Essen und viele Begegnungen mit spannenden Menschen.

Die letzten Wochen waren schwer und haben mich viel Kraft und Energie gekostet. Den Job kündigen, die Wohnung ausräumen, das Auto verkaufen, den Lieben „Auf Wiedersehen“ sagen und das eigene Leben in einen 65L-Rucksack packen. Ich weiß, für was ich es tue, doch Zweifel kamen in den letzten Wochen immer wieder auf: Habe ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Ist das Ganze nicht vielleicht doch eine Nummer zu groß für mich? Ist das Risiko ein „sicheres“ Leben in Deutschland aufzugeben nicht viel zu hoch?

Doch in diesen Momenten muss ich mich einfach selbst daran erinnern, warum ich diese Reise JETZT mache. Nach dem Abitur oder dem Studium war ich noch nicht der Mensch, der ich heute bin. Ich war nicht so selbstsicher, hätte mir sowas nicht zugetraut und das Reisefieber hatte mich noch nicht gepackt. Jetzt ist vieles anders! Ich bin seit Jahren überzeugter Anhänger meiner eigenen „Zeitfenster-Theorie“: Für fast alle Entscheidung im Leben gibt es ein Zeitfenster, das sich irgendwann schließt und man muss die Chance ergreifen, solange sie sich bietet. Und mein ganz persönliches Zeitfenster für eine Weltreise wird sich in absehbarer Zeit schließen. Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt um aufzubrechen! Und vielleicht steht am Ende der Reise ein „Ankommen“?

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