Go! Seek! Aber wirklich Happy?

7 Länder, 11 Flüge, über 25 Orte und 122 Tage liegen zwischen meiner Abreise vor genau vier Monaten und dem heutigen Tag. Der richtige Zeitpunkt um mal ein kleines Resümee zu ziehen. Die letzten Monate waren die außergewöhnlichsten meines bisherigen Lebens, ich war an Orten, die ich noch  nie besucht habe, ich habe Menschen kennengelernt, die nicht mehr wegzudenken sind, ich habe tausend wunderschöne Momente erlebt. Ich habe aber auch traurige Momente erlebt und Enttäuschungen, die mir mal wieder gezeigt haben, auf welche Menschen ich mich wirklich in JEDER Situation meines Lebens verlassen kann und welche doch nur eine Gastrolle gespielt haben.

Und nach vier Monaten tut eines immer noch verdammt weh – das Verabschieden. Eine solche Reise bedeutet eigentlich  sich ständig zu verabschieden: Von Menschen, von Orten, von Gewohnheiten. Das ist kein Zuckerschlecken und ich habe mich bis heute nicht daran gewöhnt. Wahrscheinlich werde ich das auch nicht mehr. Ich verbinde mit jedem Menschen, den ich in den letzten Monaten getroffen habe Erlebnisse, Erinnerungen, Gefühle.

Manchmal sitze ich in einem Café, höre ein Lied und meine Gedanken sind nicht mehr im Hier und Jetzt. Sie driften ab, ich sehe meinen  wunderbaren Travel-Soulmate, für den ich so dankbar bin und der nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken ist, und mich mit dem Roller und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht an Balis Küste, in Thailands Urwäldern oder auf einer der vielen Inseln rumbrausen, Gin Tonic trinken und im Meer schwimmen. Oder ich sehe Mascha und mich ein ganz besonderes Silvester feiern und in leichter Hysterie Monsterspinnen, Kakerlaken und Ratten bekämpfen. Oder meine Tauchbuddies Raphi und Daniel, die ich immer mit meiner ersten Taucherfahrung verbinden werde. Oder Steve und Neil, mit denen ich lange Partynächte im Old Man’s auf Bali verbracht habe und das Katerfrühstück am nächsten Morgen geteilt habe. Oder Gede und Kadek, die mir mit ihrer wunderbaren Hochzeit eine unvergessliche Erinnerung beschert haben. Und die wahrscheinlich wichtigsten Menschen der letzten Wochen, Heather und John, die mich als völlig Fremde so warmherzig und offen in ihrer Familie aufgenommen haben und all den Mist rund um meinen Spinnenbiss mit mir durchgestanden haben.

Eine solche Reise ist etwas sehr besonderes, sie kostet aber auch echt viel Kraft. Dafür bekommt man auch einiges geboten, doch kann ich jedem versichern, Probleme fühlen sich auch mit Strand, Sonne und sommerlichen Temperaturen nicht besser an. Und ja, es gibt sie auch im Paradies. Und wisst Ihr was das Lustige ist? Es sind eigentlich die gleichen, die man auch zu Hause hat. Natürlich fallen ein paar der Themen aus dem alltäglichen Leben raus, dafür kommen andere aus dem Alltag der Reisenden dazu. Nicht falsch verstehen, ich bin immer noch froh, diesen Schritt gewagt zu haben, aber es heißt nicht, dass ich nun zwölf Monaten von all dem Mist, der uns so belastet, entbunden bin. Ich laufe nicht tagtäglich nur mit breitem Grinsen durch die Welt, auch wenn es auf vielen Bildern so aussieht. Soviel Selektion will ich mir auf meinem eigenen Blog aber schon vorbehalten. Doch die anderen Bilder gibt es auch…

In den vergangen Wochen gab es für mich ein paar Momente, in denen ich ernsthaft darüber nachdachte, nach Hause zu fliegen. Nicht, weil ich Heimweh habe, sondern vielmehr weil mir vielleicht die Alternative fehlte. Und es ist meinen sehr engen Freunden zu verdanken, dass ich heute in Australien und nicht in Deutschland bin. Unzählige Gespräche, nächtliche Telefonate, tausende Nachrichten haben mich abgehalten meinen Rückflug zu buchen! Ich kann Euch eigentlich nicht genug danken, dass Ihr das immer wieder mitmacht, Ihr seid schon toll. Ich freue mich heute schon jeden Einzelnen von Euch früher oder später wieder in die Arme schließen zu dürfen…Bild für Post

Abschied – Aufbruch – Ankommen?

Über  zwölf Monate habe ich auf den morgigen Tag gewartet und jetzt ist er da: Es trennen mich nur noch wenige Stunden vom  Abschied nehmen! Ich nehme Abschied von meinen Freunden, meiner Familie, ja von meinem ganzen gewohnten Leben und breche zum größten Abenteuer meines bisherigen Lebens auf. Ich starte meine Weltreise und möchte in den kommenden zwölf Monaten  einige der schönsten Orte der Erde zu bereisen. Und das immer mit dem Sommer!

Ein grober Plan steht, doch ob es dabei bleibt, werde ich erst in den kommenden Monaten wissen. Morgen bringt mich mein Flieger mit Zwischenstopp in Hongkong zur ersten Etappe der Reise: Bali!

Ich freue mich riesig und habe mich mit EAT PRAY LOVE (in Film- UND Buchform) bereits in die richtige Stimmung gebracht! Bali schien mir perfekt als erstes Ziel – ein sanfter Start ins Abenteuer – bevor ich Ende November nach Myanmar fliege.  Nun bin ich gespannt auf die indonesische Insel und freue mich auf Sonne, Meer, Radtouren durch die Reisterrassen (ja, ja, vielleicht doch den Film ein, zwei Mal zu oft gesehen), tolles Essen und viele Begegnungen mit spannenden Menschen.

Die letzten Wochen waren schwer und haben mich viel Kraft und Energie gekostet. Den Job kündigen, die Wohnung ausräumen, das Auto verkaufen, den Lieben „Auf Wiedersehen“ sagen und das eigene Leben in einen 65L-Rucksack packen. Ich weiß, für was ich es tue, doch Zweifel kamen in den letzten Wochen immer wieder auf: Habe ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Ist das Ganze nicht vielleicht doch eine Nummer zu groß für mich? Ist das Risiko ein „sicheres“ Leben in Deutschland aufzugeben nicht viel zu hoch?

Doch in diesen Momenten muss ich mich einfach selbst daran erinnern, warum ich diese Reise JETZT mache. Nach dem Abitur oder dem Studium war ich noch nicht der Mensch, der ich heute bin. Ich war nicht so selbstsicher, hätte mir sowas nicht zugetraut und das Reisefieber hatte mich noch nicht gepackt. Jetzt ist vieles anders! Ich bin seit Jahren überzeugter Anhänger meiner eigenen „Zeitfenster-Theorie“: Für fast alle Entscheidung im Leben gibt es ein Zeitfenster, das sich irgendwann schließt und man muss die Chance ergreifen, solange sie sich bietet. Und mein ganz persönliches Zeitfenster für eine Weltreise wird sich in absehbarer Zeit schließen. Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt um aufzubrechen! Und vielleicht steht am Ende der Reise ein „Ankommen“?

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