Mit schwerem Herzen geht’s nach Mexiko – das Ende meiner einjährigen Weltreise

Mir bleiben nur noch wenige Tage bevor es für mich nach 12 Monaten Weltreise wieder nach Hause geht. Gut geht es mir mit dem Gedanken, bald wieder zu Hause zu sein nicht. Ich habe das Gefühl, noch nicht genug bekommen zu haben. So sind die letzten Tage in Mexiko eine Gefühlsachterbahn: auf der einen Seite genieße ich jeden einzelnen Moment, sauge die Sonne, das Meer, die Wärme auf, um für den deutschen Winter gewappnet zu sein, auf der anderen Seite ist ein Teil meiner Gedanken schon daheim und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die mir nun bevorstehen: Finde ich einen Job? Bleibe ich in meiner Stadt? Klappt der Schritt zurück ins „normale Leben“?

Laguna de Bacalar – die Lagune der sieben Farben

Ich bin froh, die letzten Tage nicht allein zu verbringen, denn ich trete die Reise nach Mexiko gemeinsam mit Annabelle, Ellen, Laurens und Iris an. Der vorletzte Halt meiner Weltreise ist das wunderbare Laguna de Bacalar. Die Lagune entstand durch die sieben Cenoten und wird auch die Lagune der sieben Farben bezeichnet. Und diesen Namen trägt sie zu Recht. Die unterschiedlichen Blautöne, in denen die Lagune im Sonnenlicht schimmert, sind einfach unbeschreiblich schön. Die Tage in Bacalar und unserem Hostel direkt am Ufer nutzen wir zum Sonne tanken – denn davon hatten wir ja in Belize recht wenig.  Wir schwimmen im seichten, warmen Wasser, schnappen uns Kayaks und erkunden den See. Am Abend radeln wir in den kleinen Ort und suchen uns ein lauschiges kleines Restaurant. Und so läuft auch der nächste Tag ab, denn viel mehr gibt es in Laguna de Bacalar eigentlich auch nicht zu tun – wir sind damit glücklich.

Tulum – die Maya-Stadt am Meer

Mit Iris steuere ich einige Tage später Tulum an – der finale Stopp meiner Reise. Danach geht es nur noch mit dem Bus nach Cancun an den Flughafen. Doch zunächst stehen mir noch einige Tage in dieser wunderschönen Küstenstadt bevor, die vor allem für  ihre Maya-Stätte direkt am Meer und die zahlreichen Cenotes berühmt ist. Und genau in diesen Cenotes möchte ich tauchen gehen, denn das soll ein ganz besonderes Erlebnis sein. Eine Cenote ist ein Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhlendecke entstanden ist und mit Süßwasser gefüllt ist. Das Besondere am Tauchen in diesen Dingern ist, dass man bei optimalen Bedingungen eine 100% Sichtweite hat und man wie durch Glas schaut. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Doch bevor es für mich zum Tauchen geht, erkunden Iris und ich erstmal den Ort und den Strand.

Karibischer Traum wie aus dem Bilderbuch

Der Strand in Tulum ist ein Traum – genauso wie aus einem Urlaubsprospekt, fast unwirklich so in Natura. Der Strand mit feinem gleißend weißem Korallensand fällt flach ins türkisschimmernde warme  Wasser ab und ist gesäumt von Bilderbuch-Palmen. Was will man mehr… Den Sonnenuntergang genießen wir in einer der unzähligen Strandbars bei einer Chelada – meinem neuen Lieblingsgetränk. Neben einer Flasche Corona bekomme ich ein Glas mit Salzrand, Limettensaft und Eiswürfeln. Darauf kommt das Bier und schon ist die Chelada fertig. Sooo lecker!

Mal wieder Zeit für Maya-Ruinen

Am nächsten Morgen schnappen wir uns Räder und machen uns auf in Richtung der Maya-Ruinen. Die Ruinen von Tulum gelten als das beste (und auch am besten erhaltene) Beispiel des Ostküstenstils, dem architektonischen Stil, in dem die Maya-Gebäude an der Nordküste von Quintana Roo zwischen 1200 und 1520 n.Chr. errichtet wurden. Der aufmerksame Leser merkt jetzt sicherlich, dass das ganz schön spät für die Maya ist. Denn zu dem Zeitpunkt ist die klassische Maya-Kultur eigentlich bereits zusammengebrochen, Tikal (Guatemala – da war ich auch) war schon über 300 Jahre verlassen und vom Dschungel überwuchert. Aber gut, man kann sich ja auch mal etwas Zeit lassen.

Auf an den Strand mit einer Chelada

Mit zahllosen anderen Touristen schiebe ich mich in gleißender Sonne also durch die Ruinen und denke wehmütig an das einsame, schattige Tikal. Da das Gelände jedoch recht klein und überschaubar ist, bin ich nach knapp zwei Stunden durch und radele voller Vorfreude an einen der Strände und verbringe den restlichen Tag im Wasser, mit der einen oder anderen Chelada in der Hand. Wunderbar!

Burritos, Quesadillas, Enchiladas, Guacamole – Essen in Mexiko

Nachdem ich die Maya-Stätten abgehakt habe, geht es am nächsten Tag das erste Mal in eine Cenote zum Schwimmen und Schnorcheln. Ja, ist schon ganz nett, denn bereits beim Schnorcheln hat man eine fantastische Sicht und ich komme mir wie in einem überdimensionalen Aquarium vor.  Das steigert auf jeden Fall meine Vorfreude auf meinen Tauchgang, der nicht mehr lange auf sich warten lässt. Am Abend folgen wir den Empfehlungen eines Einheimischen und klappern einige kleine Restaurants ab, um uns durch die Speisekarten zu futtern. Und das kann man in Mexiko wirklich gut. Im Gegensatz zu den Ländern in Zentralamerika, die ich besucht habe, bietet Mexiko (für die Wenigsten eine Neuigkeit) einfach grandioses Essen. Ging es im Rest von Zentralamerika eher um Nahrungsaufnahme, kann ich hier wieder schlemmen: Burritos, Quesadillas, Enchiladas, Guacamole, Mariscos, Tacos, Tortillas, Tortas, Tostadas – ach… Den Abend lassen wir in der Mojito-Bar Batey bei Live-Musik ausklingen und ich bin mir sicher, dass ich nach Mexiko zurückkehren werde.

Mein Jubiläum: in einem Jahr um die Welt

Der kommende Tag ist ein besonderer: Ich feiere mein Travel-Anniversary! Genau vor einem Jahr bin ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen, ohne genau zu wissen, was mich in den kommenden zwölf Monaten erwarten wird. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Reisen, all die traumhaften Orte, all die unglaublichen Erlebnisse und die wunderbaren Menschen, die ich treffen durfte, so erfüllen werden. Diese Reise war einer der besten und auch mutigsten Entscheidungen meines Lebens. Und es war das bist jetzt aufgregendste, spannendste und beste Jahr meines Lebens.  Dieses Jahr feiern wir in großer Gruppe im Batey.

Eine neue Tauchdimension: Die Cenotes rund um Tulum

Und am nächsten Morgen ist es dann endlich soweit: Meine Tauchgänge stehen an. Und als ich im Dive-Shop ankomme, habe ich großes Glück, denn ich werde ganz alleine mit meinen Dive-Master Alex unterwegs sein. Wir verstehen uns super, Alex ist Italiener und lebt seit über zehn Jahren in Tulum. Er bittet mich, meine Tauchkünste einzuschätzen und was ich mir so zutraue. Naja, nach dem Great Blue Hole trau ich mir relativ viel zu, doch bin beim Höhlentauchen immer noch ein wenig vorsichtig. Alex möchte beim ersten Tauchgang in der Cenote The Pit gerne weit in die Tiefe mit mir vordringen, um mir etwas zu zeigen, dass es nur selten zu sehen gibt: In rund 30 Metern Tiefe treffen die Lichtstrahlen im kristallklaren Wasser auf die weiße Schwefelwasserstoffwolke. Wenn man diese durchdringt , erblickt man an den Wänden schwarze Linien, die die unterschiedlichen Wasserstände der Eiszeit anzeigen. Als wir an den Dos Ojos-Cenotes ankommen und uns mit unserem Equipment auf den Weg zu The Pit machen, bin ich doch etwas aufgeregt. Der nächste tiefe Tauchgang und wenn alles gut läuft, möchte Alex mit mir auch einige der kleinen Höhlen in The Pit betauchen. Ich springe in das kühle Wasser und als ich den Kopf unter Wasser nehme, kann ich es nicht glauben und habe das Gefühl, mein Gehirn spielt mir einen Streich: Ich „sehe“ kein Wasser um mich. Natürlich spüre ich es, aber das Wasser ist so klar, dass ich die anderen Taucher in der Cenote wie durch eine Glasscheibe sehe. Ich brauche etwas, bis ich mich daran gewöhnt habe und der leichte Schwindel verschwinden. Alex hat mich an Land bereits vorgewarnt, doch verstehe ich jetzt erst, was er meint. In einer großen Spirale schrauben wir uns immer weiter in die Tiefe, die Lichtstrahlen dringen immer noch in die Tiefe und Alex versichert sich immer wieder, dass es mir gut geht. Denn mittlerweile sind wir auf rund 30 Meter und ich kann die milchige Schwefelwasserstoffwolke unter mir sehen.

Orientierungslos auf über 42 Metern

Jetzt kommt der etwas unangenehme Part, denn für einige Momente ist alles um mich herum nebelig und aufgrund der Tiefe verliere ich für einige Sekunden die Orientierung. Doch auch davor hat mich mein Dive-Master gewarnt und ich steige weiter hinab bis ich die milchige Wolke durchdrungen habe. Um mich herum ist das Wasser wieder klar und der leichte Schwindel lässt nach. Ich schaue mich um und bin fasziniert: Im glasklaren Wasser erkenne ich knorrige Bäume und Felsformationen. Doch wir bleiben auf dieser Tiefe nicht lange und steigen langsam wieder auf. Auf rund 20 Metern tauchen wir in die kleine angekündigte Höhle. Und die ist wirklich klein bzw. eng. Als ich durch die Öffnung schwimme, scharben meine Sauerstoff-Tanks an der Decke entlang. Doch in der Höhle ist es wieder etwas geräumiger. Wir drehen ein Ründchen und dann geht es wieder in die Cenote und wir steigen ganz langsam an die Oberfläche auf. Ich bin begeistert und muss Alex rechtgeben, sicherlich ein Tauchgang, den ich nicht so schnell vergessen werde! Mein Tauchlehrer lobt mich für mein besonnenes Verhalten in der Höhle und ist von Dive-Skills angetan. Mir tut es gut, das allererste Mal ganz allein mit einem Tauchlehrer zu sein und von ihm ein paar kleine Skills zu lernen, die in einer größeren Gruppe einfach immer wieder untergehen.

Höhlentauchen an der Barbie-Line

Unsere nächste Station ist die Cenote Dos Ojos. Auch hier glasklares Wasser und wir tauchen knapp eine Stunde durch das Unterwasserhöhlen-System. Als ich zwischendurch darüber nachdenke, dass es hier keine Möglichkeit gibt, mal schnell an die Oberfläche zu tauchen, wird mir ein wenig mulmig. Doch ich verdränge den Gedanken einfach schnell wieder und folge Alex. Das Cenote-Tauchen ist wirklich eine einmalige Erfahrung und ich bin froh, dass ich sie so kurz vor meiner Heimreise noch machen durfte.

Der Rückflug ist nur noch wenige Stunden entfernt

Und nun bricht er an: mein letzter Abend auf Weltreise! Ich bin melancholisch und froh, dass Iris und die anderen aus dem Hostel mir keine Zeit für trübe Gedanken lassen. Wir feiern zunächst in unserem Hostel, bevor wir alle gemeinsam in die Stadt ziehen, um den Abend noch etwas zu verlängern.  Einige Stunden später kommt dann der Moment, den ich insgeheim seit Wochen fürchte: ich packe das letzte Mal meinen Rucksack, nehme den Bus nach Cancun und warte dort auf meinen Flieger, der mich (wenigstens) auf direktem Flug nach Hause bringt. Die Gedanken drehen sich in meinem Kopf, all die Erinnerungen der letzten zwölf Monate überschlagen sich und ich denke an all die wunderbaren Menschen, die ich treffen durfte und die unglaublichen Plätze, an die es mich, manchmal auch unerwartet, verschlagen hat. Ich verdrücke ein paar Tränen, habe Angst vor dem Nachhause kommen und hoffe, dass ich bald wieder ins nächste Flugzeug steigen kann, um die nächste Reise anzutreten. Denn dieses Jahr war bislang das beste meines Lebens!

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Laguna de Baccalar

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Mit Ellen, Iris und Annabelle

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Wird auch die Lagune der sieben Farben genannt – Laguna de Bacalar

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Chelada – soooo lecker

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Die Mojito-Bar im Batey

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Mit Iris am Strand von Tulum

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Die Farbe des Wassers ist fast unwirklich

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Knallweißer Korallensand in Tulum

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Die Maya-Stätten Tulums

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Traumhaft schön!

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Der letzte Tag am Strand – stilgemäß mit Corona

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Die letzte Nacht meiner einjährigen Weltreise

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Am Flughafen von Cancun – gleich geht’s zurück in die Realität

 

Nach Dauerregen in Belize: Der Traum jedes Tauchers – das Great Blue Hole

Um meinen Weg nach Belize anzutreten muss ich zunächst nochmal komplett durch Guatemala durch. Ziemlich blöd, doch das nehme ich gerne für die gemeinsame Zeit mit Jenn und Rene in Kauf. Ein Minivan bringt mich von El Zonte direkt nach Antigua, wo ich einige Stunden später mit dem nächsten Shuttle nach Guatemala City komme. Dort habe ich mich mit Mauro verabredet und für uns beide geht es am nächsten Tag mit dem Bus nach Puerto Barrios, wo wir ein kleines Fischerboot nehmen um nach Punta Gorda in Belize zu kommen. Völlig geschafft suchen wir uns ein kleines Hotel und sie froh als wir in endlich im Bett liegen.

Bus des Grauens: von Puerto Barrios nach Belize City

Der Wecker klingelt für mich früh am nächsten Morgen – denn ich muss den Bus kriegen, um nach Belize City zu fahren. Was dann da an der Haltestelle stoppt, versetzt mir einen Schock. Ich muss die siebenstündige Fahrt allen Ernstes in einem Chicken-Bus überstehen. Und es wird wirklich die Hölle. Der Bus ist voll, stickig, ohne Klimaanlage und hält ungelogen alle 50 Meter an. Ich teile mein Leid mit meiner Sitznachbarin, die mir als Einheimische versichert, dass genau diese Fahrt wirklich besonders schlimm ist. In Belize City angekommen will ich nur noch schnell weg – und zwar nach Caye Caulker. Zum Glück verlässt das Schnellboot auf die Insel das Terminal in knapp einer Stunde.

Karibisches Lebensgefühl auf Caye Caulker

Angekommen auf der Insel empfängt mich Karibik pur – weißer Sand, Palmen, türkisblaues Wasser und entspanntes Lebensgefühl. Nach einem kurzen Stopp im Hostel erkunde ich die Caye Caulker zu Fuß, deren Größe sehr überschaubar ist. Den Sundowner nehme ich im Lazy Lizard ein, einer absoluten Institution auf der Insel. Leider ändert sich das Wetter über Nacht und es setzt tropischer Regen ein – zwar warm aber ohne Unterlass. Am späten Nachmittag nutzen wir eine Regenpause um mit Kayaks aufs Meer raus zu paddeln, um dort zu schnorcheln. Neben kleinen Fischen entdecken wir auf ein paar kleine Riffhaie. Gemeinsam mit Ellen aus Belgien und Annabel aus England planen wir beim Hummeressen in einem der zahlreichen Strandrestaurants unser Belize-Highlight. Wir wollen im Great Blue Hole tauchen.  Jedem ambitionierten Taucher wird jetzt ein „What?!“ auf den Lippen liegen, denn das Great Blue Hole gehört zu den zehn weltweit besten Tauchgebieten. Luftaufnahmen zeigen die Besonderheit: Das Loch ist annähernd kreisförmig, hat einen Durchmesser von mehr als 300 Metern und ist bis zu 125 Meter tief. Seit über zwanzig Jahren gehört es als Naturdenkmal zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Dauerregen im Paradies

Doch wenn das Wetter sich nicht bessert, wird das nichts mit meinem Traum vom Tauchgang im Great Blue Hole. Auch der nächste Tag bringt nur eins – Regen. Leider gibt es außer Tauchen, Schnorcheln oder sich am Strand zu aalen nicht wirklich viel zu tun auf Caye Caulker und ich befürchte, langsam einen Inselkoller zu bekommen. Im strömenden Regen machen wir uns am Nachmittag auf den Weg zu einer der empfohlenen Tauchschulen (Vorsicht, gerade auf Caye Caulker gibt es viele schwarze Schafe) und informieren uns über den Tauchgang. Wir haben Glück – zwei Tage später soll es besser werden und es sind noch drei Plätze auf dem Tauchboot verfügbar. Wir schlagen sofort zu.

Ein weiterer Traum wird wahr: Tauchen im Great Blue Hole

So sitzen wir kurz nach sechs am Morgen am Donnerstag auf dem Tauchboot und lauschen unserem Tauchlehrer, der uns die Dive-Sites des Tages erläutert. Denn neben dem Great Blue Hole steuern wir noch zwei weitere Tauchgebiete an, um die Vielfalt der Unterwasserwelt bestaunen zu können. Denn, man muss ganz ehrlich sein, Artenvielfalt ist nicht die Stärke des Great Blue Hole – vor allem nicht wenn man als Open Water Advanced-Taucher den tiefen Tauchgang ansteuert.

Wie weit willst Du gehen?

Juan erklärt uns, dass wir im Greta Blue Hole mit Haien rechnen können – White und Black Tip Sharks, Reef Sharks und Bullsharks sollten es auf jeden Fall sein und wenn wir Glück haben, dann sehen wir vielleicht auch Hammerhead-Sharks. Wir sind gespannt. Als Advanced-Taucher werde ich heute die 40-Meter-Marke knacken, um wie viel weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch mir wird etwas mulmig als Juan nochmal mit uns die Probleme durchgeht, die auftauchen können. Bei dem Gedanken, 40 Meter unter der Wasseroberfläche zu sein, schleicht sich bei mir ein beklommenes Gefühl ein.

Im Tiefenrausch umgeben von Haien

Nach rund 2,5 Stunden Bootsfahrt bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir das Great Blue Hole und ich bin ganz andächtig. Wir machen uns fertig, um ins warme Wasser zu springen. Mein Tauchbuddy ist Ellen und wir machen gewissenhaft den Bodycheck bevor wir über Bord springen. Unsere Gruppe geht zuerst unter Wasser und wir schrauben uns langsam immer tiefer. Ich prüfe Luft und Tiefe – und stelle erstaunt fest, dass wir schon auf 25 Meter sind. Wir erblicken die ersten Haie und über uns schwebt majestätisch ein Manta – unglaublich schön. Immer weiter folgen wir Juan in die Tiefe, es wird dunkler und kälter – ich bin dankbar für den langen Wetsuit, den ich trage. Als es fast schon nachtschwarz um mich ist, werfe ich einen Blick nach oben und über uns drehen Haie ihre Kreise. Ein schneller Blick auf den Tiefenmesser sagt: 46 Meter, maximale Tiefe an diesem Tag für mich. Als wir rund 15 Minuten später wieder auftauchen, bin ich komplett aufgedreht und kann nicht glauben, dass ich meinen bislang tiefsten Tauchgang bestens und ohne jegliche Nebenwirkungen überstanden habe. Ellen und ich fallen uns in die Arme und teilen dieses unvergessliche Erlebnis.

Endlich: Blue Boobies

Unser Boot setzt sich wieder in Bewegung und wir steuern Half Moon Caye an. Dort werden wir nach einer Mittagspause an Land den nächsten Tauchgang haben. Die kleine Insel, ein Naturschutzgebiet, ist traumhaft: Vollkommen unberührt mit weißen Stränden gesäumt von Kokosnusspalmen. Nach dem Lunch erkunden wir die Insel und beobachten die Blue Boobies, die ich leider auf den Galapagos-Inseln nur aus der Ferne sah, beim Brüten in den Baumwipfeln. Nach diesem Ausflug geht es zurück aufs Boot und zum nächsten Tauchplatz. Dieser Tauchgang ist zwar wesentlich weniger tief, doch bestaunen wir hier unendliche Fischschwärme, bunte Korallen, Seeanemonen und jede Menge Fische.

Tauchen, tauchen, tauchen

Auch der dritte Tauchgang ist traumhaft: Dieses Riff führt uns an Steilwänden entlang und wir machen einen kleinen Höhlentauchgang. Zurück auf dem Boot steuern wir auf Caye Caulker zu – rund 3 Stunden brauchen wir für den Weg. Je näher wir der Insel kommen, desto stürmischer wird es und der Regen bricht über uns herein. Zurück auf dem Festland trifft sich die Tauchcrew wenig später wieder zum Abendessen und gemeinsamen Feiern – so geht unsere Zeit auf der kleinen Insel zu Ende. Am frühen Morgen nehmen Ellen, Annabelle, Laurens, Iris und ich den Bus um nach Mexiko zu reisen.

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Da schien noch die Sonne – meine Ankunft auf Caye Caulker

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Dauerzustand ab Tag zwei: Regen und Sturm

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Tauchbriefing auf dem Boot

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Auf zum Great Blue Hole

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Ab ins Wasser!

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Der erste Hai

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Mit Annabelle und Ellen

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Zur Entspannung ein bisschen Yoga

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Glückliche Gesichter nach dem Great Blue Hole

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Traumhaft: Half Moon Caye

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Die Tauchcrew beim Feiern am Abend

El Tunco und El Zonte: Surfen in El Savadors Surf-Mekka

El Salvador gilt unter Surfern als Geheimtipp, also planen auch wir drei den nächsten Halt an der Küste einzulegen. Die rund 100 Kilometer legen wir wie immer im Chicken-Bus zurück. Das sind altersschwache frühere Schulbusse aus den USA (ja, genau, die gelben), die in so schlechtem Zustand sind, dass sie in ihrer Heimat in Rente geschickt wurden, in Mittelamerika aber zu neuem Leben erweckt werden. Bis jetzt war das immer ganz ok, doch diese Fahrt übertrifft alles. Sie dauert geschlagene vier Stunden, der Bus ist zum Bersten mit Passagieren gefüllt, alles stapelt sich und niemand kann uns so genau sagen, wo wir eigentlich raus müssen. Auch lernen wir mal wieder, dass wir doch ein ganz anderes Verständnis von Nähe zu Fremden haben, als die Menschen in Zentralamerika. Denn zu jedem von uns gesellt sich auf dem wohlgemerkt Einzelsitz noch ein Salvadorianer dazu, mehr oder minder auf dem Schoß. Spannend!

El Tunco ist ausgestorben

Völlig erledigt kommen wir irgendwann in El Tunco an, eine Mitreisende hat sich erbarmt und die Aufgabe übernommen, uns lautstark deutlich zu machen, wenn wir den Bus verlassen müssen. Zum Glück. Nachdem wir unser Gepäck im Hostel abgeladen haben, schnappen wir uns ein Bier und hechten an den Strand um den Sonnenuntergang zu sehen – und der ist hier wirklich spektakulär. El Tunco ist wie ausgestorben als wir dort auflaufen und so freuen wir uns sehr, dass Mauro und Jess, die ich in Guatemala kennengelernt habe, dort zufälligerweise auch aufschlagen.

Surfunterricht bei Alex in El Zonte

Gemeinsam mit Jess entschließen wir uns nach ein paar Tagen in El Tunco, einige Kilometer weiterzuziehen und unseren Standort nach El Zonte zu verlagern. Dieser Strand soll super für Surf-Anfänger sein, wir steigen direkt am Strand im Hostel von Alex ab, der in den kommenden Tagen unsere Skills auf dem Surfbrett aufpoliert. Und das macht er spitzenmäßig und ich verleihe ihm mein persönliches Prädikat „Bester Surflehrer“ (abgesehen von Glen). Er nimmt sich sehr viel Zeit, sieht sofort, wo unsere Schwachstellen liegen und feilt an unserer Technik (wenn man überhaupt von Technik sprechen kann). Nach intensiven Surfstunden mit Alex  einige Tage hintereinander muss ich eine Pause einlegen: Meine Knie sind komplett offen und meine Fingerspitzen mit Blasen von Schleppen des Boards übersät. Viel mehr als Surfen gibt es auch in El Zonte nicht zu tun. Was aber nicht schlimm ist, denn wir vier fühlen uns im tollen Hostel sehr wohl und verbringen hier die letzten gemeinsamen Tage bevor es für mich unter Tränen über Guatemala, wo ich mich in der City mit Mauro treffe, nach Belize und für Rene und Jenn nach Honduras geht. Die Zwei sind mir wirklich über die gemeinsamen Wochen sehr ans Herz gewachsen und ich hätte nie gedacht, dass das Reisen mit einem Pärchen so wunderbar entspannt sein kann. Doch da sind die Zwei vielleicht auch wirklich ein Sonderfall…

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Mit dem Chicken-Bus unterwegs

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Sonnenuntergang am Strand – einer von vielen

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Ich finde das ein ziemlich cooles Foto

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Alex Hostel in El Zonte

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Pfannkuchen zum Frühstück

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Die Surfbretter warten nur auf uns

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Allein am Strand von El Zonte

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Jenn und ich warten auf die richtige Welle

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Strandfussball bei Sonnenuntergang

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Und danach ne Runde Strand-Yoga

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El Salvador, das gefährlichste Land der Erde: Mehr gemordet wird nirgendwo sonst!

El Salvador stand so garnicht auf der Liste der Länder, die ich besuchen wollte. Der Grund ist auch schnell gefunden: El Salvador gilt als das gefährlichste Land der Welt. Hört sich einladend an, oder?! Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass gerade das kleinste Land Zentralamerikas, jedoch mit der höchsten Bevölkerungsdichte, einen so zweifelhaften Rum erlangt? Das liegt vor allem an der Mara Salvatrucha (MS) und dem Barrio 18, wohl die barbarischsten Gangs, die es gibt. Ich bin froh, dass ich mich vor meiner Zeit in El Salvador nicht näher mit der MS und Barrio 18 befasst habe, sonst wäre ich definitiv nicht in das Land gereist.

Eine Oase: Carlos Hostel in Santa Ana

In El Salvador werden im Jahr knapp 7000 Menschen ermordet – zum Vergleich: In Deutschland starben 2016 ca. 370 Menschen an einem Gewaltverbrechen. Das im Kopf steige ich mit einem äußerst mulmigen Gefühl aus dem Chicken-Bus, der uns nach Santa Ana im Nordwesten des Landes brachte. Santa Ana ist nach San Salvador die zweitwichtigste Stadt des Landes und unsere erste Station. Unser kleines Grüppchen stapft etwas zaghaft durch die Straßen zu unserem Hostel, es fühlt sich erstmal keiner sonderlich wohl. Das ändert sich als wir in der Casa Verde ankommen, das dem wunderbaren Carlos gehört. Dieses Hostel verdient ein paar Sätze, denn Carlos hat es mit so viel Sinn und Verstand eingerichtet, dass dem Backpacker wirklich das Herz aufgeht! Und wir haben Glück bis auf Mauro, ein Argentinier und Greg aus Australien sind wie drei die einzigen Gäste und können uns in dem Hostel mit schönem Pool ganz wie zu Hause bewegen. So beschließen wir auch, endlich unseren Pasta-Gelüsten nachzukommen und im Supermarkt alles nötige für einen Kohlehydrate-Overload einzukaufen. Und danach knallen wir uns vor den TV mit unglaublicher Soundanlage und einer DVD-Auswahl, bei der jeder schwach wird. Ein schöner erster Abend im gefährlichen El Salvador.

Drei Engel aus El Salvador

Mit Mauro machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Lago de Coatepeque, natürlich ganz standesgemäß mit dem Chicken-Bus. Wir verbringen einen entspannten Tag auf der Terrasse eines kleines Restaurants am See, wundern uns über die Bademode der uns umgebenden Herren und lassen den Blick über das tiefblaue Wasser streifen.  Am späten Nachmittag wollen wir uns auf den Weg zurück nach Santa Ana machen, warten aber leider vergeblich auf den Bus. Der kommt einfach nicht. Doch wer kommt, ist Nancy mit ihrem Sohn und ihrem Neffen, beide um die 17/18 Jahre alt. Sie halten neben uns vier Gestrandeten und fragen, ob sie uns mitnehmen können. Wir können unser Glück kaum fassen, wollen aber nicht zu fordernd sein und lehnen zunächst höflich ab. Doch die drei bestehen darauf, uns ein Stück mitzunehmen. Also quetschen wir uns zu siebt in den Kleinwagen und Mauro beginnt das Gespräch. Als Nancy und die beiden Jungs erfahren, dass wir gerade erst in El Salvador angekommen sind und noch nicht die Nationalspeise Pupusas gegessen haben, wird der eigentliche Plan uns an der nächsten Bushaltestelle abzusetzen kurzfristig geändert. Den Dreien ist es eine Herzensangelegenheit den Abend mit uns zu verbringen und uns in die Kultur des Landes einzuweihen. Von so viel Gastfreundschaft sind wir absolut überwältigt – vor allem als sich herausstellt, dass wir bis nach Santa Tecla fahren, um gemeinsam essen zu gehen.

Ohne Pupusas geht nichts

An Pupusas kommt man in El Salvador nicht vorbei. Und wenn man sie einmal probiert hat, will man das auch nicht mehr. So ging es auf jeden Fall uns. Es handelt sich bei den Dingern um Tortillas mit eingebackener Füllung. Dabei sind der Fantasie wenig Grenzen gesetzt: Käse, Fleisch, Gemüse, Avocado – man bekommt fast alles, was das Foodie-Herz begehrt. Es ist toll, von Nancy und den Jungs viel über das Leben in El Salvador zu erfahren. Nancys Geschichte geht uns ans Herz: Ihr Mann und ihre 12-jährige Tochter leben in den USA und sie hat beide seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, denn das Geld fehlt und eine Einreise ist mit ihrem Pass fast unmöglich. Als sie uns das erzählt weint sie und uns wird mal wieder klar, welch privilegiertes Leben wir führen. Sie erzählt uns, wie viel sie als Angestellte in El Salvador verdient, wie im Vergleich hoch die Lebenskosten sind und wie schwer das Leben in diesem Land ist. Einige Stunden später bitten wir Nancy uns ein Taxi zu rufen, dass uns ins über 50 km entfernte Santa Ana bringen soll. Doch sie winkt entrüstet ab, für sie ist es selbstverständlich, dass sie uns fährt. Alles andere sei zu gefährlich. Wir können sie nicht davon abhalten und überschlagen uns fast, als die drei uns eine knappe Stunde später vor dem Hostel absetzen.

Unter Polizeischutz auf den nächsten Vulkan

Nachdem Jenn und ich uns nach dem Pacaya eigentlich geschworen haben, keinen weiteren Vulkan zu besteigen, schafft es Rene irgendwie, dass wir tags drauf uns irrsinnig früh mit ihm auf den Weg zum Vulkan Santa Ana zu machen um auch diesen zu erklimmen. Hurra!!! Mit seinen 2.381 Metern ist er der größte Feuerberg des Landes und auch ziemlich aktiv: der letzte Ausbruch war 2005. Wir versammeln uns also mit anderen Wanderbegeisterten (Vorsicht: Ironie) an den Toren des Nationalparks und werden da von unserem Guide instruiert. Er und zwei vollbewaffnete Polizisten werden unseren Aufstieg begleiten. Das sei in El Salvador ganz normal, denn man wolle die zahlungskräftigen Touristen ja auch wieder lebend zurückbringen. Ähm, ja, super, ich freu mich!  Nach Passagen durch grüne Wälder und karge Geröllfelder erreichen wir nach einigen Stunden den Kraterrand des Vulkans, aus dem verdächtiger Dampf aussteigt. Staunend betrachten wir den türkisblauen Sulfursee in der Mitte des Kraters und machen uns nach einem kleinen Picknick wieder auf den Abstieg.

Ich gebe es zu, unten angekommen bin ich etwas unleidlich und erkläre dem verdutzten Rene sehr deutlich, dass ich nicht bereit bin so eine Sch… (so empfand ich es in dem Moment) nochmal zu machen und ich mich weigere, in den kommenden Tagen schon wieder wandern zu gehen. Rene nimmt’s mit Humor und erträgt meinen kleinen Ausbruch mit seligem Lächeln.

Ruta de las Flores: Wir erklimmen Wasserfälle

Wir lassen Santa Ana hinter uns und nehmen den Bus Richtung Sonsonate, um die Rutas de las Flores zu besuchen. Wir steigen in Juayua ab und landen so im Kaffee-Mekka El Salvadors. Die Rutas de las Flores bekommt ihren Namen durch die zahlreichen blühenden Blumen und Sträucher, die die Straßen säumen. Man besucht diesen Teil des Landes vor allem, wenn man verrückt nach gutem Kaffee und Essen ist. Zweites trifft auf jeden Fall auf mich zu, bei ersterem sage ich auch nicht Nein. Wir klappern also am nächsten Tag die umliegenden kleinen bunten Dörfer ab, trinken leckeren Kaffee, essen, natürlich wie soll es sonst sein, jede Menge Pupusas und anderes Leckeres. Tja, und dann hat es Rene schon wieder geschafft: nur wenige Tage nach meinem kleinen Ausbruch am Fuße des Vulkans gehe ich mit ihm…WANDERN. Und zwar treten wir drei den „Seven Waterfall Hike an“. Vorher erkunde ich mich im Hostel aber mal über den Schwierigkeitsgrad und mir wird versichert „super easy, kannst Du locker in Flip Flops machen.“ Na dann! Auf Flip Flops verzichte ich mal lieber wegen meines immer noch angeschlagenen Fußes (jaja, der Bänderriss in Australien begleitet mich immer noch). So werden wir am nächsten Morgen von unserem Guide in aller Herrgottsfrühe abgeholt und sammeln einen zweiten Guide sowie Equipment ein. Da werde ich schon etwas stutzig, kann mir aber nicht vorstellen, dass Schutzhelme und Seile für uns sind. Begleitet wird unser kleiner Trupp von sieben Hunden, die uns die komplette Wanderung nicht von der Seite weichen.

Vertraue niemanden, der behauptet, das ginge auch in Flip Flops

Nach rund einer Stunde haben wir den ersten Wasserfall erreicht und bis jetzt geht es wirklich. Ich habe auf jeden Fall weniger Probleme als der jüngste Hund im Rudel. Der mag nämlich kein Wasser. Schlecht bei einem Waterfall-Hike, wusste er wahrscheinlich im Vorfeld nicht.  Aber er lenkt sich einfach ein bisschen damit ab, indem er ein halb verrottetes Kaninchen ausgräbt und mit voller Hingabe an meine Beine reibt. Ein Traum! Nach Wasserfall zwei muss ich sagen, dass mir diese Wanderung doch zusagt. Doch das war etwas zu früh gefreut, denn nun geht es los und Seil und Helme kommen zum Einsatz. Und ich höre noch die Worte „super easy, kannst Du locker in Flip Flops machen“ als mein Guide mir mit Händen und Füßen klar macht, dass ich mich nun bitte an dem Seil die Steilwand unter dem Wasserfall runterlassen soll. Ich glaub, es hackt? Spinnt der? Ohne Sicherung? An einem ollen Seil? Ich denke daran, wie in Deutschland so eine Wanderung aussehen würde. Klettergeschirr, Sicherheitshaken, TÜV-geprüftes Brimborium. Und ich? Ich stehe im Regenwald von El Salvador umgeben von sieben Hunden und soll mich an einem altersschwachen Seil ohne jegliche Sicherung 20 Meter in die Tiefe runterlassen. Rene erkennt mit seinem diplomatischen Geschick, dass sich ein deutsches Donnerwetter zusammenbraut und nimmt mich und die ebenso wenig begeisterte Jenn zur Seite. Er redet uns gut zu und letztendlich muss ich ihm recht geben: wir müssen darunter, es gibt keinen anderen Weg…

Klettern mit altersschwachem Seil

Mit großem Gezeter lasse ich mich langsam den Wasserfall hinab und bin mehr als glücklich unten mit leicht zitternden Armen endlich wieder Boden unter den Füßen zu haben. Ich bin aber nich die einzige, die das Ganze nicht so locker nimmt. Zwei der Hunde weigern sich komplett, den steinigen Abhang hinunterzuklettern. Es braucht geschlagene 30 Minuten bis wir es mit Engelszungen geschafft haben, die zwei Vierbeiner auch noch zu überzeugen. Alles in allem gibt der Waterfall-Hike also eine gute Geschichte her und wir lachen darüber beim Picknick und schwimmen in den natürlichen Wasserbecken.

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Carlos Hostel Casa Verde

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Am Lago de Coatepeque

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So sieht Bademode für Herren in El Salvador aus

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Beim Pupusa-Essen mit Nancy und den Jungs

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Geschafft! Am Kraterrand des Santa Ana-Vulkans

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Wir erlaufen uns die Rutas de las Flores

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Das kleine Örtchen Ataco

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Sieht komisch aus, ist aber lecker: Smoothie aus dem Plastikbeutel

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Ähm ja, darunter soll ich

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Auch die Hunde gucken ungläubig

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Auf dem Waterfall-Hike

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Schon ganz schön hoch

Zurück ins Warme – Guatemala, ich komme!

Die Rückkehr nach Zentralamerika lässt sich ganz einfach erklären: ich friere! Nach über zwei Monaten Kanada langt es mir mit Kälte. Die muss ich ja noch früh genug ertragen, wenn es bald wieder nach Hause geht.  Und als ich den Flughafen in Guatemala City verlasse, freue ich mich ungemein als ich die warme Luft auf meiner Haut spüre. Ich weiß, dass das die richtige Entscheidung war: Die Batterien mit Sonne, Strand und Meer aufladen bevor es in den deutschen Winter geht. Ja, jeder der sich ein Wenig auf der Weltkarte auskennt, weiß natürlich, dass es Guatemala mit Strand und Meer jetzt nicht so üppig ist. Aber warm, warm ist es!

Vier Stunden warten auf den Bus – in Guatemala normal

Eine kurze Nacht verbringe ich in der Hauptstadt, um direkt am Morgen mit einem Bus die Reise nach Lanquin anzutreten. Dort bin ich am nächsten Tag mit Kieran, den ich in Panama kennengelernt habe und seinen Freunden Rene und Jennifer verabredet. Alle stammen aus Neuseeland und reisen auch seit längerem. Der erste Bus bringt mich zum großen Busterminal, wo ich den recht komfortablen Bus nehme der mich zunächst nach Chipam bringt. Dort suche ich mir einen Minivan um weiter nach Lanquin zu kommen. Die Jungs, die diesen steuern sollen, stellen mich auf eine echte Geduldsprobe. Denn zu Beginn heißt es, dass wir in einer Stunde losfahren, dann verschiebt sich das Ganze um eine weitere Stunde und letztendlich brechen wir vier Stunden später auf. Spitze, ich fühle mich direkt wieder angekommen in Zentralamerika.

„Hello again“ in Lanquin

Am späten Abend komme ich dann endlich in meinem Hostel an, das sich sanft in die umliegenden Hügel schmiegt und einen wunderbaren Pool mit Ausblick bietet.  Der nächste Tag beginnt mit River-Tubing – im strömenden Regen. Soviel zur Sonne… Aber wir haben trotzdem unseren Spaß und als Kieran, Rene und Jenn am Abend eintreffen, bin ich bester Laune und freue mich sehr über das Wiedersehen mit Kieran.

Semuc Champay – ein Naturwunder

Den nächsten Tag verbringen wir nach einer kurzen Nacht am Pool und planen die weiteren gemeinsamen Tage. Warum wir eigentlich in Lanquin gelandet sind, sind die natürlichen Wasserbecken von Semuc Champay, die durch den Rio Cahabon gespeist werden. Ein echtes kleines Naturwunder. Wir machen uns mit einer Gruppe aus dem Hostel auf zunächst eine nahegelegene Höhle zu erkunden – das ist spannender als es sich zunächst anhört. Denn dort ist es pechfinster, wir bekommen eine Kerze in die Hand und hangeln uns im tiefen und kalten Wasser rund zwei Stunden durch die Höhle, springen in Wasserfälle, kriechen durch Löcher und versuchen uns nicht an den messerscharfen Steinen zu verletzen. Mir gelingt das besser als manch anderem.

Nach diesem Abenteuer stürzen wir uns von einer Schaukel in den Fluß, was mächtig Spaß macht, um dann in Schwimmringen auf dem Wasser zu treiben. Danach nehmen wir den Anstieg zu den Pools in Angriff – bei 40 Grad keine leichte Aufgabe. Doch der Blick, den wir von dem Aussichtspunkt auf die Wasserbecken haben, entschädigt uns für die Anstrengung.

Lago de Atitlan – Abgeschiedene Ruhe am See

Zwei Tage später brechen wir vier auf um an den Lago de Atitlan, den zweitgrößten See Guatemalas, zu fahren. Dort wohnen wir direkt am Wasser und genießen einen wunderbaren Blick auf den See und die Vulkane San Pedro, Atitlan und Toliman. Um die Gegend zu erkunden laufen wir bis nach Jaibalito, wo wir in einem kleinen Café Jan kennenlernen. Der Lebenskünstler aus Deutschland erzählt uns von seinen Reisen und lädt uns in sein Haus ein, um uns auf der Geige vorzuspielen. So sitzen wir wenig später auf Jans Terrasse mit Aussicht auf den See und lauschen seiner Geige. Irgendwie surreal, aber schön. Tja, und dann erwischt es auch mal mich. Nach knapp 11 Monaten Weltreise liege ich mit einer 24-Stunden-Grippe flach und bin mehr als dankbar, dass sich der Rest gut um mich kümmert.

„Good Bye“ in Antigua und auf nach Flores

Sobald ich wieder unter den Lebenden bin, geht es weiter: Antigua heißt der nächste Stopp. Hier verlässt uns dann auch Kieran, der zurück nach Neuseeland fliegt.  Seinen letzten Abend starten wir im wohl verrücktesten Supermarkt der Welt „La Bodegona“, der unter Backpackern wirklich berühmt ist. Und das wegen zwei Dingen: Zum einen gibt es hier die merkwürdigsten „On Pack“-Aktionen, die man auf der Welt sehen kann. So bekommt man zum Beispiel zur Riesentüte Chips einen Plastikhocker dazu oder zur Flasche Rum einen Kloreiniger inklusive passendem Kochlöffel. Zum anderen ist er für seine Verkostungen bekannt, die uns als Backpacker auch beim zweiten Mal Antigua täglich in den Supermarkt führen. Käse, Schinken, Champagner, Whiskey, Bier, Brot, Nüsse – alles bekommt man zum Probieren in die Hand gedrückt. Und geht satt und leicht angeschickert aus dem Supermarkt heraus.

Da ich mich mit Rene und Jenn aber so wunderbar verstehe, beschließen wir, zu dritt weiterzureisen. Das wirft meine Pläne etwas über den Haufen, aber es lohnt sich. Die zwei bleiben für eine Woche in Antigua um einen Sprachkurs zu machen. Ich setze mich zwei Tage später in den Nachtbus nach Flores, um mir die Maya-Ruinen von Tikal anzuschauen.

Tikal – noch mehr Maya geht kaum

Um sechs Uhr am Morgen werde ich mit weiteren Hostelgästen von der kleinen Halbinsel Flores nach Tikal gefahren. Wir haben Glück und sind an diesem Morgen ganz unter uns, keine anderen Besucher weit und breit. Die antike Maya-Stadt im Regenwald ist eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jahrhundert) und eine der am besten erforschten Maya-Stätten. Unser Guide weiß jede Menge zu erzählen und mich beeindruckt dieser Ort mit seiner Geschichte sehr. Wir erfahren, dass jeder Hügel auf dem riesigen Gelände nicht nur ein schnöder Hügel ist. Vielmehr versteckt sich unter jedem dieser Erdhügel ein weiterer Tempel, der aus Kostengründen einfach noch nicht freigelegt wurde und es vielleicht auch niemals wird. Das ganze Gebiet ist mittlerweile Weltkulturerbe. Für den Tikalbesuch braucht man Zeit, ich laufe viel und erklimme die Stufentempel und  lasse die Bauwerke und den Ausblick auf mich wirken. Immer wieder entdecke ich in den Baumwipfeln Brüllaffen. Der Name ist bei diesen Tieren übrigens Programm: Ihr Geschrei ist irrsinnig laut und lässt mich hin und wieder zusammenzucken. Ach, der ein oder andere kennt Tikal vielleicht auch aus Star Wars…

Zurück in Flores streife ich am frühen Abend mit Jess, einer Australierin, die ich im Hostel getroffen habe, durch die Gassen des süßen Städtchens. Letztendlich landen wir am Ufer des Petén-Itza-Sees und genießen das tolle Streetfood mit, ich schwöre es, dem besten Bananenkuchen der Welt. Und ich habe auf meiner Reise sehr viel Bananenkuchen gegessen.

Vulkane, Vulkane, Vulkane – Antigua, ich bin wieder da

Mit dem Nachtbus geht es wieder zurück nach Antigua, wo ich wieder auf Rene und Jenn treffe und mit ihnen einige Tage in der in der barocken Kolonialstadt verbringe. Antigua ist traumhaft schön, zwischen halbzerstörten Barockkirchen und schattigen Patios finden sich hochkarätige Restaurants und schnuckelige Cafés, die mit leckerem regionalen Kaffee und Schokolade locken. Antigua wird von den Vulkanen Agua, Acatenango und den noch aktiven Fuego und Pacaya umgeben. Wenn man Glück hat, sieht man diesen in der Nacht hin und wieder Feuer speien. Um endlich mal ein bisschen mehr als Pflastertreten zu machen, beschließen wir genau diesen Pacya am nächsten Tag zu besteigen. Der Blick von dort oben soll toll sein und man kann sogar Marshmallows im heißen Gestein grillen. Das hat mich dann letztendlich überzeugt und wir haben den dreistündigen, nicht ganz unanstrengenden Aufstieg in Angriff übernommen. Das macht man übrigens am besten mit einem Guide, denn auf dem Weg nach oben gab und gibt es immer wieder bewaffnete Raubüberfälle auf Touristen. Mit dem Wetter haben wir leider Pech! Wir stapfen in dicker Nebelsuppe den steilen Weg hinauf und bleiben an jedem Aussichtspunkt stehen und betrachten das graue Nebelmonster vor uns. Die umsichtige guatemaltekische Touristeninformation hat aber an jedem Punkt eine große Tafel aufgestellt, die ein Foto ohne Nebel zeigt. So können wir uns ungefähr vorstellen, wie spektakulär der Ausblick mit klarer Sicht wäre.

Marshmallows auf dem Vulkan Pacya

Je höher wir kommen, desto frischer und windiger wird es und ich bin echt gesagt ganz erleichtert, als unser Guide endlich die Marshmallows auspackt und wir die Dinger auf den heißen Steinen grillen. Auch beim Abstieg ist das Wetter nicht gnädiger: es fängt an zu regnen und wir sind froh, als wir endlich wieder im Bus sitzen und in die Stadt zurückgekarrt werden. Hier scheint übrigens natürlich die Sonne. Der letzte Abend in Guatemala ist vor allem durch die Planung unseres nächsten Stopps geprägt. Es geht nach El Salvador! Dieses Land stand eigentlich garnicht auf meiner Route, doch möchte ich mich noch nicht von meinen Kiwis trennen und freue mich auf zehn weitere gemeinsame Tage. Auf geht’s in das Land mit der welthöchsten  Rate als gewaltsamen Tötungen. Yeah!

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So sehen Hostel-Pools in Guatemala aus

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Sonnenaufgang in Lanquin

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Unter dem Wasserfall

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Das Naturwunder Semuc Champay

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Tubing again

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Die Guatemala-Crew

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Lago de Atitlan

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Sonnenaufgang mit Blick auf den Vulkan

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Kaffeetrinken ist in Antigua Pflicht

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Im verrücktesten Supermarkt der Welt

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Reflektionen auf dem Peten-Itza-See

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In den Straßen Flores

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Sonnenuntergang am Seeufer

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Tikal – einfach nur WOW

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Ein Brüllaffe in den Wipfeln des Regenwaldes

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Unglaublich lecker und ganz links der beste Bananenkuchen der Welt

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Auf Entdeckungstour in Antigua

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Der Blick von der Hostelterrasse

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Der beste Blick auf Antigua

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Pacaya – wie Sie sehen, sehen Sie nichts

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Aber Marshmallows gab’s

Mama-Bär und ihre Babys sagen „Hallo“

Ich genieße jeden Tag in der Einsamkeit, drehe jeden Tag eine große Runde mit Cinder und Duke durch die traumhafte Natur, arbeite mit den anderen Pferden oder im Garten, brettere mit dem ATV durch unwegsames Gelände, koche in der wunderbaren Küche von Doug und Pat, nehme mein Sportprogramm wieder auf und verbringe ruhige Abende vor dem Kamin. Eigentlich ziemlich perfekt…

Nach 20 toten Hühnern jetzt auch noch der Hund?

Ein absolutes Highlight erlebe ich bei einem weiteren Ritt mit Cinder und Duke. Auf einem breiten Waldweg stoppen wir als wir rund 200 Meter entfernt einen Bären entdecken, der am Wegesrand steht. Als er uns erblickt, dreht er sich um und tapst zurück in das Dickicht. Einige Sekunden später ist er wieder da und kreuzt den Weg gefolgt von einem Bärenjungen. Ganz verzückt beobachte ich das Ganze von dem sicheren Rücken meines Pferdes. Den beiden folgt ein zweites Junges und dann kommt noch ein drittes aus dem dunklen Wald hervor. Ich bin ganz gebannt und unheimlich dankbar, dass ich das erleben darf. Kurz unkonzentriert ergreift Duke seine Chance und hetzt hinter der Bärenmutter und ihren Babys hinter mir. Mir bleibt das Herz stehen, ich brülle nach ihm, doch er ist bereits im Unterholz verschwunden. Ich bin absolut überfordert und weiß nicht, was ich machen soll. In meinem Kopf gehe ich bereits das nächste Telefonat mit Doug und Pat durch, in dem ich ihnen nun berichten muss, dass nach den 20 Hühnern nun auch der Hund tot ist – zerfleischt von einer Bärenmutter. Doch rund fünf Minuten später bricht Duke abgehetzt aus dem Wald heraus und ich bin zutiefst erleichtert.

Meine kanadischen Eltern kehren zurück

In der Zeit, die ich alleine auf der Farm verbringe, sehe ich insgesamt 10 Bären, zum Glück alle aus sicherer Entfernung und denke manchmal sehnsüchtig an Deutschland, wo die größte Gefahr im Wald ein Wildschwein ist. Doch das Landleben in Kanada gefällt mir – sehr! Und ich bin mehr als dankbar, dass ich diese besondere Erfahrung des Alleinseins dort machen darf. Still und heimlich plane ich schon, dass es auf jeden Fall ein zweites Mal auf der Farm geben muss. Ich freue mich richtig, als die Zwei nach ihrem 14-tägigen Urlaub wieder zurück sind und auch gleich ein befreundetes Pärchen mitbringen. Die Tage verbringe ich nun wieder mit Doug draußen, wir hacken Holz (oder lassen das Holz von der Maschine hacken), erneuern die Zäune rund um den Besitz und donnern mit den ATVs durch den Wald. An den Abenden genieße ich das wunderbare Essen von Pat und danach spielen wir meist eine Runde Karten am großen Küchentisch. Langsam plane ich auch meine Weiterreise und entschließe mich, die letzten Wochen meiner Weltreise nochmal in der Wärme – genauer zurück in Zentralamerika – zu verbringen.  Grob fasse ich Guatemala, Belize und Mexiko ins Auge und kontaktiere für weitere Tipps Kieran, ein Neuseeländer, den ich auf den San Blas-Inseln kennengelernt habe und der immer noch in Zentralamerika unterwegs ist. Und wie es manchmal so ist: Unsere Pläne passen gut zusammen und wir beschließen, dass wir uns in Guatemala treffen werden. Wenige Tage mache ich alles fix: ich buche meinen Flug nach Guatemala City und, es kostet mich riesige Überwindung, meinen Rückflug nach Hause. Nun das Ende des Abenteuers ein genaues Datum: Am 10. November wird mich der Flieger direkt von Cancun nach Frankfurt bringen. Uff!

Letzter Stop: Vancouver – again!

Mein letzter Abend mit Pat und Doug ein toller: Wir sind bei Freunden zum Dinner eingeladen und speisen fürstlich. Ich merke, dass es mir schwer fallen wird, die beiden und all meine Tiere zurück zu lassen. Doch das ist nun mal das Reise-Leben! Am nächsten Morgen nehme ich Abschied von Pat und all meinen Vierbeinern bevor mit Doug zum Greyhound-Bus bringt.

Nach knapp acht Stunden erreiche ich endlich, mal wieder, Vancouver. Fühlt sich fast schon wie ein Zuhause an. Dort erwartet mich am Busbahnhof Dot, den ich in Ecuador kennengelernt habe. Wir verbringen einen letzten tollen Abend in VAN City, bevor es am nächsten Morgen für mich über Denver nach Guatemala City geht.

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Ein weiterer Ausritt mit Cinder und Duke vor traumhafter Kulisse

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Der Blick von der Terrasse

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Die Nachttemperaturen sind eisig

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Und abends mit Ivy kuscheln

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Es wurde ein Bär gesichtet und wir gucken mal nach…

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Canada-Girl

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Ein kanadisches Badezimmer

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Happy Birthday, Doug!

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Pat, Doug, ich und Eisbär

Von der PR-Managerin zur Tatortreinigerin: Wie lässt man zwanzig tote Hühner im kanadischen Backland verschwinden?

Das eigentlich Besondere an meinem ersten Workaway ist, dass ich die Farm für knappe  zwei Wochen alleine betreuen werde. Ausgestattet mit einer Liste von Telefonnummern für den Notfall verabschieden mich Doug und Pat am frühen Morgen um sich auf die Reise in die USA zu machen. Am Tag zuvor haben Doug und ich eine ausgedehnte Shopping-Tour in 100 Mile House gemacht, damit ich in den zwei Wochen nicht verhungere. Ehrlich gesagt, freue ich mich riesig darauf, jeden Tag in dieser toll ausgestatteten Küche für mich zu kochen.

Und auf einmal ganz alleine

Als die beiden vom Gelände fahren, setze ich mich erst mal mit einer Tasse Kaffee in die Küche und überlege mir, wie ich meinen Tagesablauf so in den kommenden Tagen gestalte. Ich habe einige Aufgaben übertragen bekommen, die ich neben dem Versorgen der Tiere übernehmen werde, doch Doug und Pat haben es wirklich gut gemeint. Um zu wenig Freizeit muss ich mir auf keinen Fall Gedanken machen.

Keine Angst vor Psychopathen

Der erste Tag läuft entspannt ab, ich versorge meine Tiere, fahre mit dem ATV die Zäune ab, drehe mit Cinder und Duke eine Runde durch das traumhafte Gelände und sitze am späten Nachmittag glücklich auf der Terrasse und genieße die Sonne mit Ivy auf meinem Schoß. Nachdem ich wenig später meine letzte Runde durch die Ställe gedreht habe, stelle ich mich in die Küche und bereite mir ein leckeres Abendessen zu, dass ich mit echtem Qualitätsfernsehen (auch in Kanada gibt’s den Bachelor) zu mir nehme. Als ich so alleine im Nirgendwo in den riesigen Haus sitze, wird mir zunächst schon ein wenig mulmig. Mulmig vor allem deswegen, weil ich an die unabgeschlossenen Türen denke. Bevor Doug und Pat abgereist sind, habe ich mich nach den Schlüsseln erkundigt und er hat mich ein wenig verständnislos angeschaut. Er erklärte mir, dass er keine der Türen jemals abgeschlossen habe und daher gar nicht wüsste, wo die Schlüssel sind. Gut, dann bleiben die Türen eben offen…

Schock am ersten Morgen alleine

Die erste Nacht überstehe ich bestens, ich schlafe entspannt und mache mir keine Gedanken, über irgendwelche Psychopathen, die mich im Schlaf ermorden möchten. Meine Tierpflege-Routine beginnt pünktlich am nächsten Morgen und nachdem ich Duke und die Ziegen versorgt habe, mache ich mich auf zum Hühnerstall. Nachts sind die Tiere immer geschützt im Stall und tagsüber draußen. Ich öffne die Stalltür und bleibe wie angewurzelt mit weit aufgerissenen Augen stehen.  Zwar hüpfen mir einige der Hühner wie jeden Morgen freudig entgegen, doch mein Blick ruht auf den Tieren die leblos am Boden liegen. Ich kann nicht glauben, was ich da sehe und muss näher herangehen um Gewissheit zu bekommen. Vor mir liegt knapp die Hälfte der Tiere tot auf dem Stallboden. Ich kann mir nicht erklären, was passiert ist, suche zunächst nach Bisswunden oder ähnlichem, da ich mir keine andere Todesart erklären kann. Doch ich finde…nichts! Die Körper sind auf den ersten Blick unverletzt nur eben tot! Meine Gedanken überschlagen sich und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich stürze ins Haus und rufe mit bebender Stimme Doug an.  Die beiden sind gerade 24 Stunden weg und schon bricht die Katastrophe über mich herein… Doug beruhigt mich und versichert mir, dass er weiß, dass ich nichts falsch gemacht habe. Er ist dankenswerter Weise sehr entspannt und wir überlegen, wie ich die Viecher am besten loswerde. Denn einfach mal so 20 Hühner entsorgen ist in Kanada recht schwierig. Sie müssen tief vergraben werden, damit Bären, Wölfe und Bergpumas sich nicht an den Kadavern satt futtern. Doug erklärt mir, dass ich seinen Freund Erik bitten soll, mir ein Loch im Wald mit dem Bagger auszuheben (ja, sowas gehört in Kanada zur Grundausstattung). Also gilt mein nächster Anruf Erik, der mir gleich eröffnet, dass er erst morgen einsatzbereit ist. Spitze! Und was mach ich dann mit den 20 angegammelten Hühnern? Ok, das wird wohl wieder mal ein nächster Riesenschritt aus der Komfortzone heraus. In Regenjacke, Gummistiefeln und mit Gummihandschuhen bewaffnet, mache ich mir zurück auf den Weg zum Ort des Grauens. Eins nach dem anderen schnappe ich mir die Hühner an den Beinen und schmeiße sie schwungvoll in einen kleinen Container. Dabei wird mir in regelmäßigen Abständen schlecht, denn der Geruch ist bereits jetzt schon mehr als unangenehm.  Und über die schon leicht steifen toten Körper, die ich durch die Gummihandschuhe spüre, wollen wir gar nicht sprechen.

Ist ja klar, dann auch noch ein Bär

Kurze Zeit später habe ich alle Hühner in den Container gepackt und hieve das sauschwere Ding auf die Ladefläche des ATVs, ständig mit Übelkeit kämpfend. Diesen fahre ich dann in die große Scheune und stelle ihn dort bärensicher ab. Es ist kurz nach neun und der Tag ist eigentlich schon für mich gelaufen. Bei allen anderen Aufgaben muss ich immer wieder an die 20 Leichen denken, die in der Scheune auf ihre Beerdigung warten. Am frühen Abend tappe ich daher auch recht verwirrt mit Duke los um einen kleinen Abendspaziergang zu machen. Rund einen Kilometer weg von der Farm biegen wir im Wald um eine Ecke und da steht er, mein erster Bär. Ich kann nicht glauben, dass mir das jetzt auch noch passieren muss. Denn natürlich habe ich an diesem Tag keinen Bearbanger dabei und bin völlig wehrlos bis auf Duke an meiner Seite. Der Bär ist zum Glück ein Stück entfernt, doch er hat uns bereits entdeckt. Ich durchforste mein Gehirn, was nun die richtige Verhaltensweise ist und entscheide mich dafür, mit zwei Ästen bewaffnet (sich groß machen) ganz langsam und ruhig den Rückwärtsgang einzulegen. Dieser Bär ist gnädig und verschwindet kurz darauf im Dickicht.

Entsorgung der Leichen – mit dem Bagger

Als ich zu Hause ankomme, bin ich komplett durchgeschwitzt und einfach nur froh, als ich die Haustür zumache und den Tag für mich beende. Denn ich weiß, dass der nächste nicht viel besser wird, der erste Programmpunkt lautet: Beerdigung! Voller Grauen öffne ich morgens noch vor dem Frühstück die Scheune und bin erleichtert, dass ich mich bei dem Geruch nicht direkt übergebe. Ich starte den ATV und brettere mit den stinkenden, gammelnden Hühnern auf der Ladefläche und einem äußerst begeisterten Hund, der immer wieder seine Kreise um den ATV zieht, über hubbelige Feldwege Richtung Wald. Wenn es nicht so traurig und eklig wäre, wäre das Bild, das ich hier abgebe, die perfekte Vorlage für eine Klamauk-Komödie. Und natürlich passiert dann auch noch, was bei meinem Fahrstil passieren musste: Der Container gibt und ich verliere zwei Hühner. Also, anhalten, Handschuhe an und die zwei blauangelaufenen Viecher wieder einsammeln und weiterfahren. Auf der Lichtung im Wald treffe ich Erik, der bereits ein immenses Loch ausgehoben hat. Wortkarg schleppen wir den Container samt Inhalt zu dem Loch und werfen die Hühner in ihr Grab. Der Gestank ist unglaublich und ich befürchte, dass ich mich letztendlich doch noch übergeben muss. Aber nein, ich schlage mich wacker!!! Als ich wieder auf der Farm ankomme, bin ich wirklich stolz auf mich und wundere mich doch, wie handfest ich so als kanadisches Horsegirl bin…

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Die Truthähne haben das Massaker bestens üebrstanden

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Mein bester kanadischer Freund: Duke

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Duke ist bei allem dabei, auch beim Yoga auf der Terrasse

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Eine große Pferdeliebe: Cinder

 

Leben in der kanadischen Wildnis: Mein erstes Workaway

Auf meiner Wunschliste, die ich vor meiner Weltreise erstellt habe, stand neben vielen anderen Punkten, die ich bereits abhaken konnte auch, mindestens einmal ein Workaway zu machen. Und da ich mir Kanada sowieso nur schwer leisten kann, bietet sich dieses riesige Land an dafür. Workaway bedeutet, dass man seine Arbeitskraft für einige Stunden am Tag anbietet und dafür freie Kost und Logis bekommt. Über die passende Plattform hatte ich bereits in den USA Kontakt zu Pat und Doug aufgenommen, die in der Nähe von 100 Mile House, rund 2 ½ Stunden nördlich von Kamloops, ihre kleine Farm haben. Dort leben mit ihnen sechs Pferde, ein Hund, drei Ziegen, 40 Hühner und 10 Truthähne.

Mit dem Greyhound ins Hinterland

Nach siebenstündiger Busfahrt von Vancouver nach 100 Mile House sammelt mich Doug an der Haltestelle ein und packt meinen Rucksack auf die Ladefläche des Trucks. Zunächst drehen wir zwei noch eine Runde durch den Supermarkt und dann geht es los: Wir verlassen das kleine Örtchen und die einsame Straße führt uns immer weiter weg von der Zivilisation, durch das Fenster bestaune ich die Landschaft mit sanften Hügeln, zotteligen Kühen auf grünen Wiesen und immer wieder kleinen Seen, die sich in die Täler schmiegen. Irgendwann biegen wir auf einen unbefestigten Weg ab und treffen nach weiteren 15 Minuten auf der Farm ein. Es ist genauso, wie ich mir eine Farm in Kanada vorstelle. Die langgezogene Auffahrt führt zu einem großen Blockhaus und erspähe sofort das, auf was ich mich am meisten gefreut habe: Die Pferde. Als ich aus dem Truck steige hüpft sofort Duke, der Hund der Familie, um mich rum und ich begrüße meinen besten Freund für die nächsten vier Wochen.

Mein Zuhause: Eine Hütte im Wald

Nach dem mich Doug durch das Haus und das Gelände darum geführt hat, beziehe ich meine kleine Hütte, die etwas entfernt am Wald liegt. Dort werde ich wohnen, bis Doug und Pat in Urlaub fahren. Denn genau das ist die wahre Herausforderung an meinem Workaway. In zehn Tagen werde ich alle Abläufe auf der Farm kennenlernen, kann all meine Fragen stellen und dann mach ich das einfach mal alleine. Und ich meine GANZ alleine. Die Farm liegt abgeschieden, Nachbarn und Handyempfang gibt es erst in 10 km Entfernung. Aber ich werde das schon hinbekommen. Für mich ein nächster, sehr großer Schritt raus aus meiner persönlichen Komfortzone. Ich werde versuchen, meine ganz ureigenen Ängste vor dem Alleinesein in der kanadischen Einöde zu bekämpfen und meine Gedanken an axtschwingende Psychopathen versuchen aus meinem Kopf zu verbannen.

Schwarzbären sind faul, Grizzlies nicht!

Unseren Abend verbringen Pat, Doug und ich bei einem wunderbaren Abendessen in der wunderschönen Küche, erzählen aus unseren Leben und spielen stundenlangen Karten. Und wir sprechen über Bären… Denn die gibt es hier nicht zu wenig. Doug erklärt mir, wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich widererwartend doch direkt auf einen treffen sollen. Bei diesem Gespräch wird mir ganz mulmig und ich merke, dass ich nicht so unbekümmert durch den Wald tapsen werde, wie ich es zuhause mache, wo die größte Gefahr ein wildgewordenes Wildschwein ist. Wenigstens befinde ich mich hier am Rande des Wells Gray Nationalparks in einem Gebiet, wo es „nur“ Schwarzbären gibt. Grizzlies findet man hier nicht. Natürlich ist mit beiden nicht zu spaßen, aber der Grizzly ist doch noch mal eine andere Hausnummer. Doug erklärt mir das so: Schwarzbären sind fauler als Grizzlies und haben in der Regel nicht wirklich Lust, richtig für ihr Essen zu kämpfen. Wenn man sich also größer macht als man ist (Äste in die Hand nehmen!) oder am besten noch auf einem Pferd sitzt, nehmen sie meist reiß aus.  Für mich wird die Regel eingeführt, dass ich immer Duke an meiner Seite habe, sobald ich die nähere Umgebung des Hauses verlasse. Und wenn ich im Wald bin soll ich singen, mit Duke laut sprechen oder Musik hören, um mich anzukündigen und keinen Bären zu überraschen.

Schützt Enrique Iglesias vor wildgewordenen Bären?

Als ich wenig später vor die Haustür in die Dunkelheit trete, tue ich das mit einem komischen Gefühl. Ich schaue mich um und erwarte eigentlich, dass sich dem Stockfinsteren gleich ein Bär auf mich stürzt. Also, setze ich einen der Tipps gleich mal um und drehe meine Latin Pop-Playliste auf volle Lautstärke als ich mich zu Fuß bewaffnet mit Taschenlampe auf den Weg zu meiner Hütte mache. Jedes Knacken in der Dunkelheit jagt mir Schauer über den Rücken und als meine Taschenlampe auf ein Paar Augen im Wald zu meiner Linken trifft, bleibt mir fast das Herz stehen und ich verfluche, dass ich das Angebot mich zu meiner Hütte zu fahren so locker flockig abgelehnt habe. Enrique Iglesias plärrt aus dem Lautsprecher meines Handys und ich schaue nochmal genauer nach, was mich da aus dem Dunkel anstarrt und, ach, mein Herz setzt wieder ein, es ist nur Ivy, die Katze. Auf den letzten Metern setze ich auf die Abwehrtipps noch einen drauf und singe mit Enrique um die Wette. Als ich endlich die Tür zu meiner winzigen Hütte aufgeschlossen habe, den Raum nach Bären abgesucht habe und die Tür hinter mir zuschließe, bin ich echt gesagt fix und fertig!

Der erste Arbeitstag

Mein erster „Arbeitstag“ beginnt damit, dass Doug und ich die Hühner aus ihrem Stall lassen, die frischen Eier aus den Nestern holen und dem Federvieh Futter und Wasser geben. Danach geht es zu Jewels, Ringo und Petunia, die Ziegen, die schon an dem Gatter rütteln, denn sie wollen raus zum Grasen. Ich ziehe ihnen die kleinen Halfter über, öffne das Tor und werde von den dreien über das Gelände geschleift. Drei Ziegen am Strick, die alle in eine andere Richtung möchten und sich ineinander verheddern können einen schon überfordern. Ich binde die wilde Bande an Pfählen fest und sie stürzen sich auf das frische Gras um sie herum. Als nächstes stehen Duchess und Tooey auf dem Plan, zwei der sechs Pferde, die ich betreue. Die restlichen vier befinden sich auf dem riesigen Weiden, die uns umgeben, und müssen nicht verpflegt werden, da sie Wasser und Futter en masse haben. Duchess steht auf einem kleinen Paddock und wird gerade von Doug nach Natural Horsemanship ausgebildet und ich werde ihn dabei unterstützen. Tui ist gerade mal 12 Monate alt und sie wird langsam an den Umgang mit Menschen herangeführt. Ich putze die kleine Maus, drehe ein paar Runden am Halfter mit ihr und füttere sie als Belohnung.

Meine neue Liebe: Das Quadfahren

Danach überreicht Doug mir die Schlüssel zu meinem Gefährt, das mich die kommenden Wochen durch das Unterholz bringen wird: Mein eigenes Quad, hier ATV genannt. Ich kann es kaum erwarten, mich auf das Ding zu schmeißen und damit durch das kanadische Backland zu brettern! Ich helfe Doug nun beim Aufräumen Lagerhalle, wir schleppen Holzbohlen, schmeißen alte Trennwände auf den Pickup und machen Platz für den neuen Traktor, der in den nächsten Tagen kommen soll. Am Mittag sitzen wir Zwei um den Mittagstisch und essen die leckeren Reste des Abendessens bevor wir uns wieder aufraffen und zwei Stunden das Ausbildungsprogramm mit Duchess durchziehen. Die Gute ist schlecht gelaunt und es ist nicht wirklich eine Freude an diesem Tag mit ihr zu arbeiten. Das ist aber auch die letzte Aufgabe für diesen Tag, ich schnappe mir noch einen Kaffee und steige dann, nachdem Doug mir eine kurze Einweisung gibt auf meinem ATV. Und ich weiß bereits im ersten Moment, dass ich dieses Ding LIEBEN werden. Ich knattere mit 30km/h (jaja, eigentlich viel zu schnell) über den Waldweg zu meiner Hütte und bin begeistert!

Mal schnell die Pferde holen dauert in Kanada Stunden

Die kommenden Tage verbringe ich auf der Farm, lerne den täglichen Ablauf kennen, freue mich jeden Morgen auf die Viecher, genieße das wunderbare Essen, das uns Pat täglich auftischt und bin happy mal wieder Raum für mich zu haben. Mein eigenes kleines Reich in der Hütte mit eigenem Bad, ein Schrank, in dem ich all meine Habseligkeiten verstauen kann und nicht für jedes T-Shirt in meinem Rucksack abtauchen muss. Am ersten Wochenende auf der Farm bekommen wir Besuch von Dougs Bruder, seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar. Wir machen einen Ausflug nach 100 Mile House zum Essen und nutzen den sonnigen Samstag für unseren ersten Ausritt. Auf den habe voller Ungeduld gewartet und ich freue mich riesig als mir Doug eröffnet, dass er die hübsche Morab-Stute Cinder für mich vorgesehen hat. Er bittet mich, Cinder, Dakota, Little Rose und Brasslin von der Wiese zu holen. Das ist etwas anderes, als wenn man in Deutschland mal kurz zum Pferde einfangen geschickt wird. Ich nehme dafür den ATV und habe die Umgebung immer im Blick (wegen der Bären) als ich durch den Wald brettere um meine kleine Herde zu finden. Nach mehr als dreißig minütiger Suche habe ich die vier endlich gefunden und mache mich mit ihnen zu Fuß auf den nicht unbeträchtlichen Weg zum Haus zurück.

Ein Herz und eine Seele: Cinder und ich

Die Infos, die ich von Doug zu Cinder bekomme sind spärlich. Zwar sei sie nicht ganz einfach, aber eine erfahrene Reiterin wie ich käme schon mit ihr klar. Na, davon gehe ich aus und genieße den zweistündigen Ritt durch die beeindruckende unberührte Natur. Und Doug behält recht: Cinder und ich passen perfekt zusammen und verstehen uns prima. Nach dem Ritt nimmt mich Doug zur Seite und spricht mir sein Kompliment aus. Denn nun rückt er mit der Wahrheit raus: Cinder wurde schon Monate nicht mehr geritten, da eigentlich niemand wirklich mit ihr klarkommt und sie ihre Reiter gerne mal absetzt. Ich bin froh, dass ich das nicht im Vorfeld wusste und ganz unbefangen auf das Pferd gestiegen bin. Doug auf jeden Fall ist beeindruckt und sagt mir, dass ich Cinder für meine Zeit auf der Farm als mein eigenes Pferd betrachten dürfe und so viele Ausritte, wie ich wolle, mit ihr machen dürfe – auch wenn ich alleine das Haus hüte. Ich freue mich über so viel Vertrauen und merke schon an diesem Tag, dass es Cinder in mein Herzchen schaffen könnte.

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Der Weg von meiner Hütte zur Farm

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Ein kanadischer Traum

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Mein Pick Up

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Duke begleitet Cinder und mich beim Ausritt

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Ja, das ist eine frische Bärentatze

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Das eigene Gemüse ernten – toll!

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Die Ausbrecher-Könige

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Auf Bären-Patrouille

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Immer dabei: Duke!

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Meine kleine Ivy

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Manchmal kommt man auch mit dem Quad nicht weiter

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Wiedersehen in Whistler…

Ich sitze aufgeregt hinter dem Steuer unseres Leihwagens: nur noch ein Zwischenstopp in Kamloops und dann erreichen wir Whistler. Die Kleinstadt rund 120 km entfernt von Vancouver ist sicherlich ganz nett, aber sie alleine ist es nicht, die mein Herz schneller schlagen lässt. Vielmehr ist es Glen, der Australier, den ich an meinem Geburtstag im Mai, in Nicaragua kennengelernt habe und mit dem ich einige Zeit durch Zentralamerika gereist bin. Er lebt in Whistler und wir sehen uns nach knapp drei Monaten wieder…

Nun gut, aber es sind ja noch einige Kilometer bis wir in Whistler ankommen. Wir lassen die Rocky Mountains hinter uns und fahren in den Sommer zurück. Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und damit auch die Laune! Mit offenem Fenster und lauter Musik brettern wir über die kanadischen Straßen und lassen die malerische Natur an uns vorbeigleiten bis wir am frühen Abend in Kamloops ankommen. Dort verbringen wir den Abend in der kleinen Stadt, lassen uns das Dinner in einem der Straßenrestaurants schmecken und kriechen einige Stunden später in die Zelte.

Der kanadische Sommer ist zurück

Der nächste Morgen ist beinahe schon unwirklich: Die Sonne scheint, es ist warm und ich genieße mein Frühstück mit Blick auf den Thompson-River. Endlich, der kanadische Sommer ist zurück! Da steigt die Vorfreude auf die nächsten Tage nochmal mehr. Wie immer in Kanada ist auch der Weg nach Whistler das Ziel! Die Straßen führen uns durch Flusstäler, durch dunkelgrüne Wälder, an strahlend blauen Seen und reißenden Wasserfällen vorbei. Den meisten ist Whistler als einer der beliebtesten Skiorte in Nordamerika ein Begriff, 2010 war es auch Austragungsort der Olympischen Winterspiele. In Kanada hat es vor allem den Ruf, sehr teuer zu sein. Bevor wir das kleine Airbnb Appartment beziehen, das wir für die kommenden Tage gemietet haben, machen wir unseren ersten Hike rund um Whistler. Entlang des Cheakamus River wandern wir durch die Wälder rund um den Ort und freuen uns über die warme Sonne. Kaum zu glauben, dass wir vor zwei Tagen noch mit Minusgraden zu kämpfen hatten und nun in kurzer Hose herumturnen.

Wandern, feiern und entspannen in Whistler

Auf dem Weg in unser Zuhause für die nächsten Tage kaufen wir ein und lassen Tim freie Hand. Der kann sich in Küche der süßen Wohnung komplett austoben, denn eigentlich ist Tim Küchenchef auf Privatyachten und freut sich nach knapp zwei Wochen endlich mal was anderes als Dosenravioli kredenzen zu können. So verbringen wir den ersten Abend mit wunderbarem Essen und leckerem Wein bevor wir uns mit Glen ins legendäre Nachtleben des Skiortes stürzen. Für uns Europäer mutet das Ausgehen in Kanada immer etwas komisch an, denn wo wir gerade mal in die Clubs einfallen wird in Kanada schon die letzte Runde eingeläutet. Macht in diesem Fall aber garnix…

Das vierte „Auf Wiedersehen“

Die kommenden Tage in Whistler sind ein Traum! In einer Tagestour erklimmen wir nach einer Nacht mit sehr wenig Schlaf die Joffre Lakes in der Nähe von Pemberton. Das sind der Lower Lake, Middle Lake und Upper Lake, der sich letztendlich auf 1564 m Höhe befindet und einen perfekten Blick auf den Matier-Gletscher bietet. Die Farbe der Seen erinnert mich sofort an den Lake Moraine, den auch sie strahlen in einem auffälligen Türkis, hervorgerufen durch das Rock Flour. Am Abend fallen wir todmüde ins Bett und ich freue mich auf einen faulen, gemütlichen Sonntag, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass ich einfach mal fast nichts mache. Das aber in bester Gesellschaft. Die Zeit in Whistler vergeht wie im Fluge und mir fällt es schwer, mich mal wieder von Glen zu verabschieden. Aber darin sind wir mittlerweile ja schon Profis. Die Stimmung im Auto ist gedrückt als wir uns auf den Rückweg nach Vancouver machen. Tim und ich verbringen noch einen tollen letzten Tag auf Granville Island zwar bei strömendem Regen, aber mit Biertasting zusammen bevor wir auch wir uns voneinander verabschieden müssen. Am nächsten Morgen breche ich mit den Greyhound-Bus nach 100 Mile House auf. Dort werde ich mein erstes Workaway im kanadischen Backland erleben und vier Wochen auf der kleinen Farm von Pat und Doug leben. Das nächste Abenteuer wartet schon…

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Auf dem Weg nach Kamloops

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Tim kauft ein!

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Der erste Hike rund um Whisthler

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Downtown

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Chef Timmy hat gekocht

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Auf dem Weg zum höchsten Joffre Lake

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Schon wieder dieses Blau

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Seht Ihr den Gletscher?

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Alle drei zusammen – die Joffre Lakes

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Rocky Mountains, Columbia Icefield, Lake Louise und Lake Moraine: Kanadas Natur zeigt, wie es sein muss!

Der unglaublich schöne und beeindruckende Icefields Parkway bringt uns durch die Rocky Mountains ganz langsam in Richtung Banff. Der Parkway gilt mit Recht als eine der schönsten Fernstraßen der Welt, er schlängelt sich sanft durch die Rocky Mountains von Jasper bis nach Banff. Wenn man ihm folgt, kommt man zwangsläufig an einer der Hauptattraktionen vorbei: dem Columbia Icefield. Als wir in Jasper aufbrechen, sind die Temperaturen frisch, doch noch erträglich. Je höher wir uns in den Rockys schrauben, desto kälter wird es auch. Das merken wir auch an dem Regen, der sich ganz langsam in Schnee verwandelt. Perfekt!

Im Schnee ans Columbia Icefield

Angekommen am Columbia Icefield ist alles Dank des Schneeregens grau in grau – bis auf das Eisfeld. Es leuchtet durch den Schneeregen und das graue Geröll noch weißer und wir machen uns auf den Weg, um es aus der Nähe zu betrachten. Mal wieder zeigt sich, dass wir vier mittlerweile absolute Spezialisten sind, wenn es darum geht, den Lagenlook wintertauglich zu machen. Man kann mit zwei Leggins, zwei Pullis und einer Regenjacke ohne weiteres ein paar Stunden kanadischen Herbst (entspricht einem deutschen Winter) überstehen. Je näher wir dem Columbia Icefield kommen, desto beeindruckender ist es: Mit einer Fläche von 325 km², einer Dicke von 100 bis 365 m und einer jährlichen Schneefallmenge von sieben Metern ist es einer der größten Ansammlungen von Eis südlich des Polarkreises. Ich bin ja eher der rationale Typ, aber wie so oft schon auf dieser Reise bin ich zutiefst von der Natur und ihren Wundern beeindruckt und einfach nur unglaublich dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, all das mit eigenen Augen sehen zu dürfen.

Bitte keine weitere Nacht im Zelt…

Durchgefroren und zitternd setzen wir nach unserem Ausflug zum Eisfeld im Auto und beratschlagen wie es weitergehen soll. Bis Banff, unserm nächsten Ziel, sind es noch knappe 200km und die Aussicht, die nächste Nacht wieder in einem Zelt zu verbringen lässt uns noch mehr zittern. Dank des Lonely Planets wissen wir, dass auf unserem Weg ein Hostel liegt und schicken ein kleines Stoßgebet, dass dieses noch vier Betten für die Nacht frei hat. Wir kämpfen uns weiter durch den Schneeregen und als wir an dem Hostel eintreffen, haben wir Glück. Wir können die Nacht dort verbringen. Als erstes bekommen wir von dem Ranger eine genaue Einweisung, denn das Hostel ist ein sogenanntes Wilderness Hostel: Keine Duschen, nur Außentoiletten, keine Heizung – aber es gibt Holzöfen und eine Sauna, die man selbst mit Feuerholz anheizen kann. Hört sich für den normalen Reisenden jetzt eher abschreckend an, aber für uns ist es wie ein 5 Sterne Hotel im Vergleich zu den Nächten im Zelt.

Wir genießen den Abend am offenen Kamin, in der Sauna und im warmen Bett bevor es am Morgen auch schon weitergeht. Banff erwartet uns! Und je näher wir dem Städtchen kommen, desto milder wird es auch wieder. Zum Glück!!! Ach und was soll ich sagen, Banff ist einfach ein Träumchen, das ist mir gleich klar, als wir in den Ort einfahren…

Banff, was bist du nett

Mit knapp 7.600 Einwohnern ist es die größte Ortschaft innerhalb des Banff-Nationalparks in der kanadischen Provinz Alberta. Es liegt auf rund 1400m Höhe am Osthang der Rocky Mountains und der Blick, den man im Ort auf die Berge hat, ist der Knaller. Unser erster Weg führt uns wie immer in die Touristeninformation und wir kümmern uns um einen Zeltplatz für die Nacht. Dieser ist etwas außerhalb und liegt wieder mal idyllisch in einem Wäldchen in der Nähe des Two Jack Lakes. Wir bauen schnell die Zelte auf, richten uns etwas ein und dann geht es auch schon zurück in den Ort. Dort picknicken wir mit Blick auf die Berge, schlendern durch die Straßen, kehren bei Starbucks ein (Internet und Kaffee) und kaufen bei einem kleinen Bummel Winteraccessoires: Mütze und Handschuhe machen in Anbetracht der nächsten Tage im Zelt absolut Sinn!

Am Abend gehen wir aus, das kann man hier ganz gut, denn viele Australier machen das Örtchen zur kleinen Partyhochburg. Die Vorfreude auf unser Zelt hält sich bei uns allen in Grenzen als wir in der kalten Nacht langsam zurück auf den Zeltplatz fahren. Nach der kühlen Nacht, schmeißen wir uns früh am Morgen ins Auto und fahren in den Ort. Dort führt uns der erste Weg mal wieder zu Starbucks – Internet und Frühstück! Nachdem wir uns aufgewärmt haben und es auch draußen langsam milder wird, geht es weiter: wir haben einen Hike rund um Banff geplant, der uns am Ende zu den Hotsprings (Yeah, mal wieder duschen) führt. Dort lassen wir den Nachmittag im warmen Wasser ausklingen bevor es zum Abendprogramm wieder nach Banff geht. Dort planen wir bei leckerem Abendessen eines (meiner) Highlights des Kanada-Trips: Es geht an den Lake Louise und den Lake Moraine. Googelt man Bilder von Kanada, kann man davon ausgehen, dass unter den Toptreffern auf jeden Fall Lake Louise dabei ist. Also sind meine Erwartungen sehr hoch als wir am nächsten Morgen bei traumhaften Wetter mit Sonnenschein den Highway entlang brettern.

Das muss man gesehen haben: Lake Louise

Wir schlängeln uns die Berge hoch bis wir den Parkplatz erreichen. Mit einer nicht gerade geringen Anzahl weiterer Besucher laufen wir die letzten Meter bis der See vor uns liegt. Und ja, er ist genauso wunderschön wie ich es von all den Bildern kenne. Das unglaubliche Türkis des Sees sticht einem als erstes ins Auge und man fragt sich, wie die Natur eine so fast künstliche Farbe hinbekommt. Dafür gibt es eine Erklärung: die Farbe stammt von Steinmehl, das von Gletscherschmelzwasser in den See gespült wird. Auch für uns muss der See für eine ausgedehnte Fotosession herhalten und somit entstehen hier einige meiner Lieblings Kanadabilder. Wir wandern um den See und genießen immer wieder den Blick auf das Wasser vor der wunderbaren Kulisse der Rocky Mountains.

Geht`s noch schöner? Jaaa…

Als wir nach einigen Stunden wieder im Auto sitzen um Lake Moraine anzusteuern, sind wir sicher, dass Lake Louise nicht zu toppen ist. Tja, aber Kanada lehrt uns eines Besseren. Denn Lake Moraine ist einer der schönsten Plätze an, denen ich je war. Der See liegt etwas höher als Lake Louise auf knapp 1900m im Valley of the Ten Peaks, dem Tal der zehn Gipfel der Wenkchemna Range und wird von Gletschern gespeist. Wir klettern auf einem Wanderweg einen Berg hoch um den Blick auf die ganze Schönheit des Sees genießen zu können. Und als wir oben ankommen, verschlägt es uns die Sprache. Dachten wir ein paar Stunden zuvor, die Farbe des Lake Louise sei unnatürlich, glaube ich jetzt, dass vor uns jemand einen überdimensionalen Farbtopf platziert hat. Der See strahlt in einem milchigen Türkis und reflektiert Sonne und Berge in seiner Oberfläche. Die fast schon künstliche Färbung ist auf die Partikel des Gletscherabriebs zurückzuführen, die das Licht reflektieren. Andächtig bleiben wir sitzen und genießen einfach nur das Bild! Irgendwann reißen wir uns dann doch los und erkunden die Wanderwege um den See bevor wir uns langsam auf den Rückweg nach Banff machen, wo wir unseren letzten Abend verbringen. Nächstes Ziel auf unserem Roadtrip: Whistler. Und Glen…

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4 Grad – aber es wird noch kälter auf dem Icefield Parkway

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Columbia Icefield

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Wilderness Hostel in den Rockys

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Vorsicht Bär!

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Gut, das gehört in Kanada dazu!

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Die Rocky Mountains rund um Banff

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Morgen Routine in Banff

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Ohne Bärspray kein Zutritt!

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Auf dem Weg zum Lake Louise

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Lake Louise – ein Traum

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Lake Moraine

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Hike um den Lake Moraine

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Kanadische Sommernächte im Zelt