Mit schwerem Herzen geht’s nach Mexiko – das Ende meiner einjährigen Weltreise

Mir bleiben nur noch wenige Tage bevor es für mich nach 12 Monaten Weltreise wieder nach Hause geht. Gut geht es mir mit dem Gedanken, bald wieder zu Hause zu sein nicht. Ich habe das Gefühl, noch nicht genug bekommen zu haben. So sind die letzten Tage in Mexiko eine Gefühlsachterbahn: auf der einen Seite genieße ich jeden einzelnen Moment, sauge die Sonne, das Meer, die Wärme auf, um für den deutschen Winter gewappnet zu sein, auf der anderen Seite ist ein Teil meiner Gedanken schon daheim und beschäftigt sich mit den großen Fragen, die mir nun bevorstehen: Finde ich einen Job? Bleibe ich in meiner Stadt? Klappt der Schritt zurück ins „normale Leben“?

Laguna de Bacalar – die Lagune der sieben Farben

Ich bin froh, die letzten Tage nicht allein zu verbringen, denn ich trete die Reise nach Mexiko gemeinsam mit Annabelle, Ellen, Laurens und Iris an. Der vorletzte Halt meiner Weltreise ist das wunderbare Laguna de Bacalar. Die Lagune entstand durch die sieben Cenoten und wird auch die Lagune der sieben Farben bezeichnet. Und diesen Namen trägt sie zu Recht. Die unterschiedlichen Blautöne, in denen die Lagune im Sonnenlicht schimmert, sind einfach unbeschreiblich schön. Die Tage in Bacalar und unserem Hostel direkt am Ufer nutzen wir zum Sonne tanken – denn davon hatten wir ja in Belize recht wenig.  Wir schwimmen im seichten, warmen Wasser, schnappen uns Kayaks und erkunden den See. Am Abend radeln wir in den kleinen Ort und suchen uns ein lauschiges kleines Restaurant. Und so läuft auch der nächste Tag ab, denn viel mehr gibt es in Laguna de Bacalar eigentlich auch nicht zu tun – wir sind damit glücklich.

Tulum – die Maya-Stadt am Meer

Mit Iris steuere ich einige Tage später Tulum an – der finale Stopp meiner Reise. Danach geht es nur noch mit dem Bus nach Cancun an den Flughafen. Doch zunächst stehen mir noch einige Tage in dieser wunderschönen Küstenstadt bevor, die vor allem für  ihre Maya-Stätte direkt am Meer und die zahlreichen Cenotes berühmt ist. Und genau in diesen Cenotes möchte ich tauchen gehen, denn das soll ein ganz besonderes Erlebnis sein. Eine Cenote ist ein Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhlendecke entstanden ist und mit Süßwasser gefüllt ist. Das Besondere am Tauchen in diesen Dingern ist, dass man bei optimalen Bedingungen eine 100% Sichtweite hat und man wie durch Glas schaut. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Doch bevor es für mich zum Tauchen geht, erkunden Iris und ich erstmal den Ort und den Strand.

Karibischer Traum wie aus dem Bilderbuch

Der Strand in Tulum ist ein Traum – genauso wie aus einem Urlaubsprospekt, fast unwirklich so in Natura. Der Strand mit feinem gleißend weißem Korallensand fällt flach ins türkisschimmernde warme  Wasser ab und ist gesäumt von Bilderbuch-Palmen. Was will man mehr… Den Sonnenuntergang genießen wir in einer der unzähligen Strandbars bei einer Chelada – meinem neuen Lieblingsgetränk. Neben einer Flasche Corona bekomme ich ein Glas mit Salzrand, Limettensaft und Eiswürfeln. Darauf kommt das Bier und schon ist die Chelada fertig. Sooo lecker!

Mal wieder Zeit für Maya-Ruinen

Am nächsten Morgen schnappen wir uns Räder und machen uns auf in Richtung der Maya-Ruinen. Die Ruinen von Tulum gelten als das beste (und auch am besten erhaltene) Beispiel des Ostküstenstils, dem architektonischen Stil, in dem die Maya-Gebäude an der Nordküste von Quintana Roo zwischen 1200 und 1520 n.Chr. errichtet wurden. Der aufmerksame Leser merkt jetzt sicherlich, dass das ganz schön spät für die Maya ist. Denn zu dem Zeitpunkt ist die klassische Maya-Kultur eigentlich bereits zusammengebrochen, Tikal (Guatemala – da war ich auch) war schon über 300 Jahre verlassen und vom Dschungel überwuchert. Aber gut, man kann sich ja auch mal etwas Zeit lassen.

Auf an den Strand mit einer Chelada

Mit zahllosen anderen Touristen schiebe ich mich in gleißender Sonne also durch die Ruinen und denke wehmütig an das einsame, schattige Tikal. Da das Gelände jedoch recht klein und überschaubar ist, bin ich nach knapp zwei Stunden durch und radele voller Vorfreude an einen der Strände und verbringe den restlichen Tag im Wasser, mit der einen oder anderen Chelada in der Hand. Wunderbar!

Burritos, Quesadillas, Enchiladas, Guacamole – Essen in Mexiko

Nachdem ich die Maya-Stätten abgehakt habe, geht es am nächsten Tag das erste Mal in eine Cenote zum Schwimmen und Schnorcheln. Ja, ist schon ganz nett, denn bereits beim Schnorcheln hat man eine fantastische Sicht und ich komme mir wie in einem überdimensionalen Aquarium vor.  Das steigert auf jeden Fall meine Vorfreude auf meinen Tauchgang, der nicht mehr lange auf sich warten lässt. Am Abend folgen wir den Empfehlungen eines Einheimischen und klappern einige kleine Restaurants ab, um uns durch die Speisekarten zu futtern. Und das kann man in Mexiko wirklich gut. Im Gegensatz zu den Ländern in Zentralamerika, die ich besucht habe, bietet Mexiko (für die Wenigsten eine Neuigkeit) einfach grandioses Essen. Ging es im Rest von Zentralamerika eher um Nahrungsaufnahme, kann ich hier wieder schlemmen: Burritos, Quesadillas, Enchiladas, Guacamole, Mariscos, Tacos, Tortillas, Tortas, Tostadas – ach… Den Abend lassen wir in der Mojito-Bar Batey bei Live-Musik ausklingen und ich bin mir sicher, dass ich nach Mexiko zurückkehren werde.

Mein Jubiläum: in einem Jahr um die Welt

Der kommende Tag ist ein besonderer: Ich feiere mein Travel-Anniversary! Genau vor einem Jahr bin ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen, ohne genau zu wissen, was mich in den kommenden zwölf Monaten erwarten wird. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Reisen, all die traumhaften Orte, all die unglaublichen Erlebnisse und die wunderbaren Menschen, die ich treffen durfte, so erfüllen werden. Diese Reise war einer der besten und auch mutigsten Entscheidungen meines Lebens. Und es war das bist jetzt aufgregendste, spannendste und beste Jahr meines Lebens.  Dieses Jahr feiern wir in großer Gruppe im Batey.

Eine neue Tauchdimension: Die Cenotes rund um Tulum

Und am nächsten Morgen ist es dann endlich soweit: Meine Tauchgänge stehen an. Und als ich im Dive-Shop ankomme, habe ich großes Glück, denn ich werde ganz alleine mit meinen Dive-Master Alex unterwegs sein. Wir verstehen uns super, Alex ist Italiener und lebt seit über zehn Jahren in Tulum. Er bittet mich, meine Tauchkünste einzuschätzen und was ich mir so zutraue. Naja, nach dem Great Blue Hole trau ich mir relativ viel zu, doch bin beim Höhlentauchen immer noch ein wenig vorsichtig. Alex möchte beim ersten Tauchgang in der Cenote The Pit gerne weit in die Tiefe mit mir vordringen, um mir etwas zu zeigen, dass es nur selten zu sehen gibt: In rund 30 Metern Tiefe treffen die Lichtstrahlen im kristallklaren Wasser auf die weiße Schwefelwasserstoffwolke. Wenn man diese durchdringt , erblickt man an den Wänden schwarze Linien, die die unterschiedlichen Wasserstände der Eiszeit anzeigen. Als wir an den Dos Ojos-Cenotes ankommen und uns mit unserem Equipment auf den Weg zu The Pit machen, bin ich doch etwas aufgeregt. Der nächste tiefe Tauchgang und wenn alles gut läuft, möchte Alex mit mir auch einige der kleinen Höhlen in The Pit betauchen. Ich springe in das kühle Wasser und als ich den Kopf unter Wasser nehme, kann ich es nicht glauben und habe das Gefühl, mein Gehirn spielt mir einen Streich: Ich „sehe“ kein Wasser um mich. Natürlich spüre ich es, aber das Wasser ist so klar, dass ich die anderen Taucher in der Cenote wie durch eine Glasscheibe sehe. Ich brauche etwas, bis ich mich daran gewöhnt habe und der leichte Schwindel verschwinden. Alex hat mich an Land bereits vorgewarnt, doch verstehe ich jetzt erst, was er meint. In einer großen Spirale schrauben wir uns immer weiter in die Tiefe, die Lichtstrahlen dringen immer noch in die Tiefe und Alex versichert sich immer wieder, dass es mir gut geht. Denn mittlerweile sind wir auf rund 30 Meter und ich kann die milchige Schwefelwasserstoffwolke unter mir sehen.

Orientierungslos auf über 42 Metern

Jetzt kommt der etwas unangenehme Part, denn für einige Momente ist alles um mich herum nebelig und aufgrund der Tiefe verliere ich für einige Sekunden die Orientierung. Doch auch davor hat mich mein Dive-Master gewarnt und ich steige weiter hinab bis ich die milchige Wolke durchdrungen habe. Um mich herum ist das Wasser wieder klar und der leichte Schwindel lässt nach. Ich schaue mich um und bin fasziniert: Im glasklaren Wasser erkenne ich knorrige Bäume und Felsformationen. Doch wir bleiben auf dieser Tiefe nicht lange und steigen langsam wieder auf. Auf rund 20 Metern tauchen wir in die kleine angekündigte Höhle. Und die ist wirklich klein bzw. eng. Als ich durch die Öffnung schwimme, scharben meine Sauerstoff-Tanks an der Decke entlang. Doch in der Höhle ist es wieder etwas geräumiger. Wir drehen ein Ründchen und dann geht es wieder in die Cenote und wir steigen ganz langsam an die Oberfläche auf. Ich bin begeistert und muss Alex rechtgeben, sicherlich ein Tauchgang, den ich nicht so schnell vergessen werde! Mein Tauchlehrer lobt mich für mein besonnenes Verhalten in der Höhle und ist von Dive-Skills angetan. Mir tut es gut, das allererste Mal ganz allein mit einem Tauchlehrer zu sein und von ihm ein paar kleine Skills zu lernen, die in einer größeren Gruppe einfach immer wieder untergehen.

Höhlentauchen an der Barbie-Line

Unsere nächste Station ist die Cenote Dos Ojos. Auch hier glasklares Wasser und wir tauchen knapp eine Stunde durch das Unterwasserhöhlen-System. Als ich zwischendurch darüber nachdenke, dass es hier keine Möglichkeit gibt, mal schnell an die Oberfläche zu tauchen, wird mir ein wenig mulmig. Doch ich verdränge den Gedanken einfach schnell wieder und folge Alex. Das Cenote-Tauchen ist wirklich eine einmalige Erfahrung und ich bin froh, dass ich sie so kurz vor meiner Heimreise noch machen durfte.

Der Rückflug ist nur noch wenige Stunden entfernt

Und nun bricht er an: mein letzter Abend auf Weltreise! Ich bin melancholisch und froh, dass Iris und die anderen aus dem Hostel mir keine Zeit für trübe Gedanken lassen. Wir feiern zunächst in unserem Hostel, bevor wir alle gemeinsam in die Stadt ziehen, um den Abend noch etwas zu verlängern.  Einige Stunden später kommt dann der Moment, den ich insgeheim seit Wochen fürchte: ich packe das letzte Mal meinen Rucksack, nehme den Bus nach Cancun und warte dort auf meinen Flieger, der mich (wenigstens) auf direktem Flug nach Hause bringt. Die Gedanken drehen sich in meinem Kopf, all die Erinnerungen der letzten zwölf Monate überschlagen sich und ich denke an all die wunderbaren Menschen, die ich treffen durfte und die unglaublichen Plätze, an die es mich, manchmal auch unerwartet, verschlagen hat. Ich verdrücke ein paar Tränen, habe Angst vor dem Nachhause kommen und hoffe, dass ich bald wieder ins nächste Flugzeug steigen kann, um die nächste Reise anzutreten. Denn dieses Jahr war bislang das beste meines Lebens!

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Laguna de Baccalar

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Mit Ellen, Iris und Annabelle

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Wird auch die Lagune der sieben Farben genannt – Laguna de Bacalar

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Chelada – soooo lecker

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Die Mojito-Bar im Batey

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Mit Iris am Strand von Tulum

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Die Farbe des Wassers ist fast unwirklich

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Knallweißer Korallensand in Tulum

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Die Maya-Stätten Tulums

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Traumhaft schön!

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Der letzte Tag am Strand – stilgemäß mit Corona

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Die letzte Nacht meiner einjährigen Weltreise

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Am Flughafen von Cancun – gleich geht’s zurück in die Realität

 

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