Camperleben zwischen Vancouver und Jasper – von Luxus keine Spur!

Sagen wir es mal so, ich war nie ein großer Fan des Zeltens und habe mir eigentlich vor Jahren geschworen, dass ich das nicht mehr mache. Doch wie so oft zuvor auf meiner Weltreise bewege ich mich in Kanada erneut aus meiner Komfortzone heraus und plane einen Roadtrip inklusive Zelten. Und ich meine ZELTEN, nicht die die komfortable Übernachtung in einem Camper-Van wie in Australien oder auf Hawaii. Nein, so richtig mit Zelt, Schlafsack und Isomatte. In Kanada führt da leider kein Weg dran vorbei, wenn man sein Reisebudget nicht komplett sprengen will. Hostels und Hotels sind wirklich unverhältnismäßig teuer und vor allem oft auf Monate hin ausgebucht – nichts also für meine doch sehr spontane Art des Reisens. Mein Glück ist es, dass ich nur ein sehr grobes Wissen darüber habe, was beim Zelten in Kanada so auf mich zukommen wird – denn sonst hätte ich mir das vielleicht gespart.

Auf in die kanadische Wildnis

Bewaffnet mit Zelten, Schlafsäcken, Isomatten, Kühlbox, Essen und unserem sonstigen Gepäck nehmen Tim, die zwei Schweizerinnen und ich in Vancouver unseren Leihwagen in Empfang. Ein tolles Gefährt: Ein SUV mit allem Schnick und Schnack, den vornehmlich ich in den kommenden zwei Wochen durch die kanadische Wildnis steuern werde. Vancouver, meine neue Liebe, verlassen wir bei Sommertemperaturen um die 30 Grad und machen uns auf den Weg nach Clearwater, dem ersten Stopp unseres Trips, rund 500 km nordöstlich. Bei der Planung des Trips wurden mir mal wieder, ähnlich wie in Australien, die Dimensionen bewusst. In Kanada fährt man ganz locker tausende von Kilometer um sein Ziel zu erreichen, da das Land so unglaublich groß ist. Wir konnten uns bei der Planung nur auf die absoluten Highlights konzentrieren, da wir einfach zu weite Distanzen in zu wenig Zeit hinter uns bringen mussten. Nach Clearwater sollen Jasper, Banff und Whistler folgen bevor wir wieder nach Vancouver zurückkehren.

Welcome to Bear-Country

Sobald wir Vancouver verlassen haben stoppen wir immer wieder unser Auto um die wunderschöne Landschaft zu bestaunen und das Sommerwetter zu genießen. Die Weite, die mir dieses Land bietet ist eine wahre Wohltat für mein Auge. Unser Mittagessen besteht aus einem Picknick an einem idyllischen Örtchen und ich freunde mich in diesem Moment immer mehr mit dem Zelten an, wenn ich dafür solch eine Natur genießen kann. Natürlich ist man in Kanada immer etwas in Habachtstellung, dafür sorgen die Warnschilder, die überall wie hier im Wells Gray Nationalpark zu finden sind. Diese erklären, wie man sich in Sicherheit bringt, sollte man auf einen Bären, Wolf oder Puma treffen. Es ist ein komisches Gefühl, nur mit einem Zelt unterwegs zu sein und zu wissen, dass in den Wäldern um uns herum Raubtiere leben, die wir in Deutschland bestenfalls nur aus dem Zoo kennen.

Wer braucht schon warmes Wasser?

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit steuern wir einen Campingplatz in der Nähe von Clearwater an, um dort die Nacht zu verbringen. Wir suchen uns eine Parzelle, stellen die Zelte auf und erkunden das weitläufige Gelände. Campingplätze in Kanada oder sagen wir besser die, die wir auswählen, unterscheiden sich stark von denen in der Heimat (die ich kenne). Sie erstrecken sich meist über riesige Flächen, so dass man oft seinen direkten Nachbar nie zu Gesicht bekommt. Der größte Luxus ist die eigene Feuerstelle mit (oft) einem Picknick-Tisch und passender Bank. Fließendes (kaltes) Wasser gibt es natürlich, doch die Toiletten sind dann doch oft Plumpsklos und Duschen suchen wir meist  vergebens. Aber dafür wurden wohl Feuchttücher entwickelt…

Dosenravioli am Lagerfeuer

Am Lagerfeuer gibt es Ravioli und Wein bevor wir in unsere Zelte krabbeln. Ich interpretiere in dieser Nacht jedes Astknacken als potenziellen Bärangriff und stopfe mir irgendwann genervt die Ohrstöpsel ins Ohr um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu finden. Das Frühstück am nächsten Morgen nehmen wir an den atemberaubenden Helmcken Wasserfällen ein. Diese stürzen sich über 140 Meter in die Tiefe und sind somit die vierthöchsten in Kanada. Das Bild ist ein Traum: Die Sonne schickt ihre Strahlen in den tosenden Wassernebel und zaubert dadurch dutzende kleine Regenbögen. Über eine Stunde sitzen wir am Wasserfall und beobachten die Wassermassen. Irgendwann eisen wir uns los und machen uns auf zum nächsten Ziel, denn vor uns liegen knapp 350 km bis wir in Jasper ankommen.

Sommer in Kanada heißt nicht, dass es warm sein muss

Bereits am Morgen durften wir erfahren, dass Sommer in Kanada nicht unbedingt bedeutet, dass es auch in der Nacht bei angenehmen Temperaturen bleibt. Nur knapp fünf Grad waren es nachts was in einem Zelt schon recht frisch ist. Im Laufe des Tages ändert das sich Dank der warmen Sonne. Auf unser Fahrt wechselt die Temperaturanzeige in unserem Auto stündlich: Nach dem kühlen Morgen erreichen wir am Mittag Spätsommertemperaturen von 25 Grad um uns dann, je näher wir Jasper kommen und somit auch an Höhe gewinnen, bei knapp 16 Grad einzupendeln. Unser erster Weg in dem kleinen Ort mit ca. 4.200 Einwohnern im Jasper-Nationalpark führt uns in die Touristeninformation, in der wir mit unzähligen weiteren Touristen darauf warten zu erfahren, ob es irgendwo ein Plätzchen für unsere Zelte gibt. Wir haben Glück: auf einem der Overflow-Plätze, die nur geöffnet werden, wenn alles andere schon voll ist, dürfen wir bleiben. Auch hier gilt mal wieder die höchste Bären-Warnung und all die Informationszettel über Bär-Sichtungen rund um Jasper hinterlassen bei mir doch ein mulmiges Gefühl. Laut Touristeninformation darf man in dieser Zeit des Jahres Wanderungen auch nur mit einem Minimum an vier Personen und der Mitnahme von Bärspray machen. Ok, habe ich mir gemerkt! Einen weiteren guten Tipp bekommen wir: Da unser Campingplatz mal wieder nicht über Duschen verfügt, wird uns empfohlen, doch einfach einen Besuch der heißen Quellen einzuplanen.

Zelten im Jasper-Nationalpark

Bevor wir unseren Zeltplatz ansteuern, stoppen wir am wunderschönen Lake Annett, der zwischen Jasper und dem Maligne Canyon liegt. Unser Abendessen bereiten wir auf einer der kleinen Grillstationen und als Nachtisch gibt es die wunderbaren S’mores. Dafür rösten wir Marshmallows über dem Feuer und legen sie danach mit einem Stück Schokolade zwischen zwei Kekshälften. Sooo lecker…

Meine Rettung: Die Miette Hot Springs

Nach einem Hike durch den Nationalpark am kommenden Tag verbringen wir den Nachmittag in den Miette Hot Springs. Und das ist eine wahre Wohltat. Endlich wieder warmes Wasser! Wir drücken uns stundenlang in den bis zu 40 Grad warmen Pools herum und genießen die grandiose Aussicht auf die Rocky Mountains um uns herum. Doch leider können wir nicht ewig bleiben und schlagen am frühen Abend den Weg zum nächsten Campingplatz ein. Dort werden wir an der Rezeption darüber aufgeklärt, dass hier ein „kleiner süßer Schwarzbär“ wohnt, der eigentlich ganz friedlich ist, man ihm aber im Dunkeln nicht zu nahe kommen sollte. Aha!

Muss man bei Minusgraden zelten?

Diese Nacht wir eine echte Bewährungsprobe. Und nicht wegen des Bären – den bekommen wir nicht zu Gesicht. Vielmehr weil es wirklich kalt wird in dieser Nacht, wir rutschen das erste Mal in die Minusgrade ab. Für eine der Schweizerinnen wird es zu kalt und sie verbringt die Nacht im Auto. Ich bin meinem dicken Schlafsacke von Nacht zu Nacht dankbarer, dass er die Temperaturen einigermaßen erträglich macht. Am Morgen sind wir alle etwas steif und beratschlagen, ob wir die kommende Nacht nicht besser in einem Hostel verbringen sollen. Doch das ist in der High-Season in Kanada nicht so leicht – wie wir kurz darauf erfahren müssen…

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Apple Gang

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Unser erster Campingplatz in der Nähe von Clearwater

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Durch und Durch Kanadier: Karohemden sind Pflicht!

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Dosenravioli sind kein kulinarisches Highlight

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Wunderschön: Helmcken Falls

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Erste Sonnenstrahlen über den Gipfeln

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Wandern macht in Kanada schon was her

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Abendessen am Lake Annett

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S’mores. Hmmmm

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Lake Annett

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Jasper-Nationalpark

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Miette Hot Springs

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