Kaffee, Pferde und Palmen in Salento – Rotlichtviertel, Korruption und Regimekritiker in Bogotá

Nach ein paar Tagen in der Millionenstadt Medellin steht uns der Sinn wieder mehr nach Entspannung und ländlicher Umgebung. Also buchen wir den Bus, der uns auf einer wunderbaren Route nach Salento bringt. Die unglaubliche Landschaft jenseits des Busfensters lässt mich kaum dazu kommen mein Buch zu lesen. Ich hatte mir Kolumbien nie so vielfältig, so grün, so faszinierend vorgestellt. Vielmehr hatte ich Drogenkriege, Entführungen und offene Gewalt im Kopf. Doch die Kolumbianer auf die ich getroffen bin waren offen, unglaublich freundlich und waren froh, dass immer mehr Touristen ihr Land erkunden und es nicht mehr weltweit Schrecken hervorruft.

Ein fünf Stunden Ritt zu den höchsten Palmen der Welt

In dem malerischen Dorf Salento angekommen entschließen Ross und ich uns für eine Reittour, die uns bis zum berühmten Valle de Cocora bringt. Dort bestaunen wir die Wachspalmen, die bis zu 60 Meter hoch werden können und der Nationalbaum Kolumbiens ist. Nach dem rund fünfstündigen Ritt sehe ich Ross an, dass er mehr als glücklich ist, als wir in Salento zurück sind. Wir verbringen den Nachmittag in den engen, mit vielen kolumbianischen Gästen gefüllten Gassen, trinken wunderbaren Kaffee aus dem regionalen Anbau und futtern uns durch die zahlreichen Essensstände.

Im Wald umgeben von Kolibris

Am nächsten Morgen springen wir schon früh auf einen der Jeeps, der die Touristen ins Valle de Cocora bringt, denn wir haben uns entschlossen, das Tal nochmal per Fuß zu durchqueren und eine kleine Wanderung bis zur Casa de Kolibri zu machen. Der Weg dorthin führt uns an den Wachspalmen vorbei, durch grüne Wiesen, dichte Wälder, über wackelige Brücke und vorbei an Wasserfällen. Belohnt werde wir in der Casa Kolibri mit Unmengen an winzigkleinen Kolibris, die um uns herum schwirren und ihre Schnäbel in die Blüten der Bäume stecken. Ich hätte stundenlang zuschauen können…

Bogotá – mit dem Rad durchs Rotlichtviertel

Eine weitere sehr lange Busfahrt bringt uns nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens und mit rund 7 Millionenen Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Bogotá liegt in der Hochebene der Anden auf 2640 Metern am Fuß der zwei Berge Guadalupe (3317m) und Monserrate (3152m). Und diese Höhe spürt man auch, sobald man sich etwas körperlich betätigt. Wir steigen im Viertel Candelaria ab und schnaufen uns bei jedem Rückweg ins Hostel den Berg hoch. Mit einer geführten Biketour erkunden wir die Stadt und fahren mit der Gruppe in die Rotlichtviertel, die man alleine auf keinen Fall besuchen sollte. Wir stoppen, um in einem Hinterhof in einer großen Halle Techo zu spielen. Ein Spiel der Arbeiterklasse, bei dem man ein Gewicht auf eine mit kleinen Sprengstoffplättchen präparierte Lehmplatte werfen muss – der Lärm ist ohrenbetäubend, aber alle haben Spaß. Der nächste Stop ist der kleine Markt und wir probieren uns durch alle möglichen Frucht- und Gemüsesorten. Auf der Tour erfahren wir viel über die Geschichte des Landes, die vielen toten Regimekritiker, denen in der Stadt mit Denkmälern und Graffitis gedacht wird. Mich lässt das Ganze nachdenklich zurück und ich kann mir nicht vorstellen, in einem Land aufzuwachsen, wo es an der Tagesordnung ist, dass Familienmitglieder und Bekannte verschwinden und irgendwann tot wieder auftauchen.

Und da ist er wieder: Pablo Escobar

Noch mehr über die Geschichte Kolumbiens erfahre ich bei der Free Walking Tour, die mich durch die Innenstadt führt. Wir stoppen an historischen Plätzen wie dem Plaza Bolivar eingefasst vom Gerichtsgebäude, dem Rathaus und der Kathedrale, beobachten die Diamantenhehler am Plaza Santander, trinken Chicha (fermentiertes Getreide, das ganz schön reinhaut) in Candelaria und bestaunen die engen Gassen mit den zahlreichen bunten Graffitis. Auch auf dieser Tour ist Pablo Escobar anwesend, denn dieser ließ sich Anfang der 80er Jahre in den kolumbianischen Kongress wählen und ihm wird eine Beteiligung an der Erstürmung des Justizpalastes 1985 in Bogotá unterstellt, bei dem zahlreiche Menschen umkamen.

Rauf auf den Berg – Monserrate bietet den ultimativen Blick über Bogotá

Unseren letzten Tag in Bogotá beginnen wir mit einer Fahrt auf den Berg Monserrate. Dafür steigen wir in die Seilbahn die uns auf den Gipfel des 3152 m hohen Berges bringt. Von dort hat man den besten Panoramablick auf die riesige Stadt, die einem nun zu Füßen liegt. Die Kirche mit dem Schrein des „Gefallenen Jesus“ ist ein beliebter Wallfahrtsort für die Kolumbianer und so mutet das Ganze da oben auch ein bisschen wie Kirmes an.

Bogotá ist anders als Medellin, aber auch hier habe ich mich recht sicher gefühlt und ich habe mich darüber gefreut, den Kolumbianern, die ich getroffen habe, auch kritische Fragen zur Geschichte ihres Landes stellen zu können. Viele freuen sich sehr, wenn sie merken, dass man sich für sie und ihr Land interessiert und sich die Mühe macht, hinter die Wand aus Drogensumpf, Korruption und Gewalt zu schauen, die das Land jahrelang in Griff hatten.

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Wandern im Valle de Cocora

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Könnte auch zu Hause sein

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Canario und ich haben Spaß

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Ross hält sich wacker

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Die berühmten Wachspalmen

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Einer der vielen Kolibris in der Casa de Kolibri

 

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Der Dorfplatz in Salento

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In den Straßen Salentos

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Fahrradtour in Bogotá

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Wir spielen Techo

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Sehr zu empfehlen: Die Free Walking Tour in Bogotá

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Kaum zu erkennen, aber diese Herren verkaufen illegal Diamanten

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Das Nationalgetränk Chicha

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In den Straßen Bogotás

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Plaza Bolivar

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Graffitis gibt es überall in Candelaria

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„Seine Majestät“

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Blick über Bogotá vom Berg Monserrate

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