Ein langer Weg nach Ecuador! Endlich angekommen, will ich schnell wieder weg

Eins habe ich in Kolumbien recht schnell gelernt: verlasse Dich nie auf Aussagen zum Busverkehr in diesem Land. Denn in 90 Prozent der Fälle sind sie nicht korrekt. Das hängt mit einigen Faktoren zusammen: Einen Fahrplan, wie wir ihn kennen, gibt es meist nicht; die Busse warten oft, bis sie voll sind – das sind sie manchmal nach einer Minute oder eben auch erst nach anderthalb Stunden; und der Punkt an den ich mich am meisten gewöhnen musste, ist, dass die Kolumbianer in diesem Fall wohl ungern zugeben, dass sie einfach keinen Schimmer haben, wann der nächste Bus fährt. Also nennen sie dir hin und wieder einfach irgendeine Uhrzeit um nicht in Verlegenheit zu geraten.

Gestrandet im Busterminal

So kommt es, dass Ross und ich auf unserem Weg von Bogotà nach San Agustin am späten Abend in einem Busterminal stranden. Zuvor hieß es in unserem Hostel, dass wir ohne Probleme Anschluss bekommen, doch das stellt sich als falsch heraus. Als wir um 21:00 Uhr ankommen erwartet uns im Terminal die frohe Botschaft, dass der nächste Bus Richtung San Agustin um 1:30 Uhr morgens fährt. Wir können wenig tun und machen es uns im Terminal in einem kleinen Imbiss (mit WIFI!) gemütlich. Dort treffen wir auf ein belgisches Paar, denen es genauso geht, nur in die andere Richtung. Also beschließen wir, gemeinsam zu warten und die Zeit mit Kartenspielen totzuschlagen.

San Agustin – UNESCO-Weltkulturerbe und keiner weiß es

Am frühen Morgen, sehr früh, kommen wir letztendlich in dem kleinen Örtchen San Agustin in den kolumbianischen Anden an. Bekannt ist es für seine zahlreichen Felsskulpturen, die mit einfachsten Werkzeugen hergestellt wurden. Sie wurden rund 100 bis 1200 Jahre nach Christus geschaffen und haben den Ort zum UNESCO-Weltkulturerbe gemacht. Wir steigen in einem wunderschönen kleinen Hostel in den Hügeln ab, dort gibt es frischgebackenes Brot, tolles Essen und große Dorms und wir fühlen uns mehr als wohl.

Auf dem Pferd vorbei an Skulpturen, Kaffeeplantagen und Wasserfällen

Wir entschließen uns, die Felsskulpturen auf einer weiteren Reittour zu erforschen. Unser Guide ist Carlos, der uns zu wundervollen Plätzen führt, uns mal wieder die Schönheit der kolumbianischen Natur vor Augen hält und jede Menge zur Geschichte des Landes zu erzählen hat. Auf unserem sechs stündigen Ritt erfahren wir auch viel über Carlos selbst, der diese Touren seit einigen Jahren für die wenigen Touristen, die sich in den Ort verirren, anbietet und sehr stolz auf seine kleinen Bücher ist, in denen alle Kunden eine kleine Nachricht in ihrer Muttersprache für ihn hinterlassen haben. Genau diese möchte uns Carlos am nächsten Tag zeigen, natürlich sollen auch wir uns hier verewigen, und lädt uns zu sich zum Mittagessen ein. Und es wird etwas ganz besonderes geben: Meerschweinchen! Mich schüttelt es bei diesem Gedanken und ich winke schnell ab. Ross jedoch stellt sich dem traditionellen Essen. Für mich wird es als Alternative Fisch geben.

Guten Appetit! Heute gibt es Meerschweinchen

Pünktlich um 12:00 Uhr finden wir uns am nächsten Tag auf Carlos Terrasse wieder. Seine Mutter, seine Kinder und sein kleiner Enkel wuseln um uns herum, reichen uns Getränke, zeigen uns Devotionalien aus der Gegend und legen uns die berühmten Bücher vor, aus denen ich ihnen die deutschen Einträge vorlese und auf Englisch übersetze. Und dann wird es ernst: Wir werden an den Tisch gebeten und das Meerschweinchen (für Ross) wird serviert. Ich gucke skeptisch auf die Platte, denn das Tier kommt im Ganzen und ist auch als solches zu erkennen! Auch Ross scheint etwas seines Enthusiasmus zu verlieren, doch er fängt sich schnell wieder. Herzhaft beißt er in die Schenkel des Meerschweinchens und ich denke an die armen kleinen Dinger, die ich jahrelang in den Kinderzimmern meiner Geschwister gesehen habe und so inbrünstig während ihrer Urlaube pflegte. Doch diese Gedanken versuche ich schnell wieder zu verdrängen und widme mich meinem Fisch. Dankend lehne ich ab, als Ross mir ein Stück anbietet. Nach der Besichtigung des kleinen Hauses, uns wird mal wieder klar in welchem Luxus wir zu Hause leben, machen wir uns auf den Weg und starten mit großer Verspätung (denn auch diese Auskunft zum Bus stimmte nicht) unsere nächste lange Reise: für uns geht es mit Zwischenstopp in Las Lajas weiter nach Quito, wo wir rund 28 Stunden später dann auch mal ankommen sollen (zum Glück wissen wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht).

Las Lajas: Ein früher Morgen in der Kirche

Morgens um 5:00 Uhr weckt uns der Busfahrer, denn wir sind in Ipiales angekommen. Als wir aus dem Bus steigen ist es schweinekalt und wir kramen alles aus dem Rucksack, was er hergibt und kleiden uns im beliebten Lagenlook. Packt direkt fünf Kilo auf jeden von uns drauf und viel wärmer ist es nicht wirklich. Mit dem Collectivo geht es für uns zur Wallfahrtskirche Las Lajas, die uns durch ihre kühne Bauweise so beeindruckt. Denn sie befindet sich im Canyon des Rio Guaitara und ist auf einer zweibogigen Brücke gebaut.

Quito: Raub, Überfälle und Gewalt in Äquatornähe

Der nächste Stopp, jedoch nicht ohne Buswechsel nachdem unserer auf halber Strecke das Zeitliche segnet, nach dem Grenzübergang nach Ecuador ist dessen Hauptstadt Quito. Die Millionenstadt (2,2 Millionen) ist die zweitgrößte des Landes, liegt auf rund 2.850 Metern in einem Becken der Anden und ist nur 20 Kilometer südlich des Äquators. Neben der bolivianischen Hauptstadt Sucre ist sie die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Und das spürt man auch. Wir schnaufen uns durch die Stadt und sind froh als wir das Hostel erreichen. Dort werden wir gleich mit all den Horrorgeschichten überschüttet, die es über Quito zu erzählen gibt: Überfälle in den Straßen, aufgeschnittene Rucksäcke in den Bussen und jede Menge Gewalt. In diesem Moment bin ich einfach nur froh, dass bereits am nächsten Morgen unser Flieger geht und uns in ein Paradies bringt: Die Galapagos Inseln.

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Gestrandet im Busterminal

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Unser Hostel mit Blick übers Tal

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Frühstück mit selbstgebackenem Brot und selbstgemachter Marmelade

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Carlos zeigt uns die Kaffeepflanzen

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Einige der vielen Skulpturen rund um San Agustin

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Mal wieder Reiten

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Blick ins Tal

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Diese Skulpturen machen den Ort zum UNESCO-Weltkulturerbe

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Meerschweinchen auf Kartoffel und Yuka

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Für mich gibt es Forelle

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Carlos zeigt mir seine Bücher

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Santiago mit seinem kleinen Hund

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Santiago und seine Großmutter

Kaffee, Pferde und Palmen in Salento – Rotlichtviertel, Korruption und Regimekritiker in Bogotá

Nach ein paar Tagen in der Millionenstadt Medellin steht uns der Sinn wieder mehr nach Entspannung und ländlicher Umgebung. Also buchen wir den Bus, der uns auf einer wunderbaren Route nach Salento bringt. Die unglaubliche Landschaft jenseits des Busfensters lässt mich kaum dazu kommen mein Buch zu lesen. Ich hatte mir Kolumbien nie so vielfältig, so grün, so faszinierend vorgestellt. Vielmehr hatte ich Drogenkriege, Entführungen und offene Gewalt im Kopf. Doch die Kolumbianer auf die ich getroffen bin waren offen, unglaublich freundlich und waren froh, dass immer mehr Touristen ihr Land erkunden und es nicht mehr weltweit Schrecken hervorruft.

Ein fünf Stunden Ritt zu den höchsten Palmen der Welt

In dem malerischen Dorf Salento angekommen entschließen Ross und ich uns für eine Reittour, die uns bis zum berühmten Valle de Cocora bringt. Dort bestaunen wir die Wachspalmen, die bis zu 60 Meter hoch werden können und der Nationalbaum Kolumbiens ist. Nach dem rund fünfstündigen Ritt sehe ich Ross an, dass er mehr als glücklich ist, als wir in Salento zurück sind. Wir verbringen den Nachmittag in den engen, mit vielen kolumbianischen Gästen gefüllten Gassen, trinken wunderbaren Kaffee aus dem regionalen Anbau und futtern uns durch die zahlreichen Essensstände.

Im Wald umgeben von Kolibris

Am nächsten Morgen springen wir schon früh auf einen der Jeeps, der die Touristen ins Valle de Cocora bringt, denn wir haben uns entschlossen, das Tal nochmal per Fuß zu durchqueren und eine kleine Wanderung bis zur Casa de Kolibri zu machen. Der Weg dorthin führt uns an den Wachspalmen vorbei, durch grüne Wiesen, dichte Wälder, über wackelige Brücke und vorbei an Wasserfällen. Belohnt werde wir in der Casa Kolibri mit Unmengen an winzigkleinen Kolibris, die um uns herum schwirren und ihre Schnäbel in die Blüten der Bäume stecken. Ich hätte stundenlang zuschauen können…

Bogotá – mit dem Rad durchs Rotlichtviertel

Eine weitere sehr lange Busfahrt bringt uns nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens und mit rund 7 Millionenen Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Bogotá liegt in der Hochebene der Anden auf 2640 Metern am Fuß der zwei Berge Guadalupe (3317m) und Monserrate (3152m). Und diese Höhe spürt man auch, sobald man sich etwas körperlich betätigt. Wir steigen im Viertel Candelaria ab und schnaufen uns bei jedem Rückweg ins Hostel den Berg hoch. Mit einer geführten Biketour erkunden wir die Stadt und fahren mit der Gruppe in die Rotlichtviertel, die man alleine auf keinen Fall besuchen sollte. Wir stoppen, um in einem Hinterhof in einer großen Halle Techo zu spielen. Ein Spiel der Arbeiterklasse, bei dem man ein Gewicht auf eine mit kleinen Sprengstoffplättchen präparierte Lehmplatte werfen muss – der Lärm ist ohrenbetäubend, aber alle haben Spaß. Der nächste Stop ist der kleine Markt und wir probieren uns durch alle möglichen Frucht- und Gemüsesorten. Auf der Tour erfahren wir viel über die Geschichte des Landes, die vielen toten Regimekritiker, denen in der Stadt mit Denkmälern und Graffitis gedacht wird. Mich lässt das Ganze nachdenklich zurück und ich kann mir nicht vorstellen, in einem Land aufzuwachsen, wo es an der Tagesordnung ist, dass Familienmitglieder und Bekannte verschwinden und irgendwann tot wieder auftauchen.

Und da ist er wieder: Pablo Escobar

Noch mehr über die Geschichte Kolumbiens erfahre ich bei der Free Walking Tour, die mich durch die Innenstadt führt. Wir stoppen an historischen Plätzen wie dem Plaza Bolivar eingefasst vom Gerichtsgebäude, dem Rathaus und der Kathedrale, beobachten die Diamantenhehler am Plaza Santander, trinken Chicha (fermentiertes Getreide, das ganz schön reinhaut) in Candelaria und bestaunen die engen Gassen mit den zahlreichen bunten Graffitis. Auch auf dieser Tour ist Pablo Escobar anwesend, denn dieser ließ sich Anfang der 80er Jahre in den kolumbianischen Kongress wählen und ihm wird eine Beteiligung an der Erstürmung des Justizpalastes 1985 in Bogotá unterstellt, bei dem zahlreiche Menschen umkamen.

Rauf auf den Berg – Monserrate bietet den ultimativen Blick über Bogotá

Unseren letzten Tag in Bogotá beginnen wir mit einer Fahrt auf den Berg Monserrate. Dafür steigen wir in die Seilbahn die uns auf den Gipfel des 3152 m hohen Berges bringt. Von dort hat man den besten Panoramablick auf die riesige Stadt, die einem nun zu Füßen liegt. Die Kirche mit dem Schrein des „Gefallenen Jesus“ ist ein beliebter Wallfahrtsort für die Kolumbianer und so mutet das Ganze da oben auch ein bisschen wie Kirmes an.

Bogotá ist anders als Medellin, aber auch hier habe ich mich recht sicher gefühlt und ich habe mich darüber gefreut, den Kolumbianern, die ich getroffen habe, auch kritische Fragen zur Geschichte ihres Landes stellen zu können. Viele freuen sich sehr, wenn sie merken, dass man sich für sie und ihr Land interessiert und sich die Mühe macht, hinter die Wand aus Drogensumpf, Korruption und Gewalt zu schauen, die das Land jahrelang in Griff hatten.

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Wandern im Valle de Cocora

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Könnte auch zu Hause sein

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Canario und ich haben Spaß

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Ross hält sich wacker

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Die berühmten Wachspalmen

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Einer der vielen Kolibris in der Casa de Kolibri

 

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Der Dorfplatz in Salento

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In den Straßen Salentos

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Fahrradtour in Bogotá

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Wir spielen Techo

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Sehr zu empfehlen: Die Free Walking Tour in Bogotá

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Kaum zu erkennen, aber diese Herren verkaufen illegal Diamanten

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Das Nationalgetränk Chicha

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In den Straßen Bogotás

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Plaza Bolivar

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Graffitis gibt es überall in Candelaria

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„Seine Majestät“

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Blick über Bogotá vom Berg Monserrate

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