Medellin und Guatape – über allem schwebt drohend der Geist von Pablo Escobar

Am Nachmittag sitzen Ross und ich mit Pieter, Victor, Kieran und Blair an dem kleinen Flughafen in Santa Marta und warten auf unseren Flug nach Medellin. Wir haben uns gegen die nächste 20-stündige Busfahrt entschieden und einen kleinen Betrag lieber in einen anderthalbstündigen Flug in die zweitgrößte Stadt Kolumbiens investiert. Medellin liegt auf rund 1500 m und liegt im Abburá-Tal, das sich im mittleren Bergzug der Anden erstreckt. Mit rund 6800 Morden pro Jahr zählte Medellin jahrelang zu den gefährlichsten Städten der Welt und war vor allem dafür und die Drogenkämpfe berühmt. Pablo Escobar und das „Medellin-Kartell“ haben die Stadt in Angst und Schrecken versetzt, zeitweise kontrollierte dieser rund 80 Prozent des weltweiten Kokainmarktes. In seinem Auftrag wurden zehntausende Menschen ermordet. Wenn man heute durch die Stadt bummelt, wird man immer wieder an diese Zeit erinnert und die teilweise offene Verehrung des Drogenbosses Escobar hinterlässt bei mir ein merkwürdiges Gefühl. Es hat sich ein regelrechter Escobar-Tourismus entwickelt und jeder muss selbst entscheiden, ob er sich auf seine Spuren begeben möchte.

Paragliden über der Millionenstadt – Haken auf meiner Bucket List

Rund um unser Hostel im Stadtteil El Pueblo findet man unzählige nette Straßencafés, kleine Restaurants und Brauereien und tolle Shops, die wunderschöne Sachen anbieten. Alles mutet faast europäisch an und ich fühle mich hier sehr wohl. Um die Stadt zu erkunden, mache ich eine der kostenlosen Stadtführungen mit (die gibt es wirklich in fast jeder Stadt und ich kann sie jedem nur ans Herz legen) und entdecke so einiges der riesigen Stadt (knapp 2,5 Mio. Einwohner). Mit dem Mectrocable schweben wir einen Tag später über die Armenviertel der Stadt dem Berg entgegen. Die teilweise sehr heruntergekommenen Hütten hinterlassen mich beklommen und auch die Jungs sind recht still, während sie aus der sicheren Seilbahn ihren Blick über die engen Gassen streifen lassen. Tags darauf erfülle ich mir einen Traum: ich habe mich zum Paragliden angemeldet. Ross und ich werden auf einen der Berge gebracht, die Medellin umgeben und bekommen von unseren Piloten eine Einweisung, wie wir uns zu verhalten haben. Und dann geht es auch schon los. Das Gefühl, nur durch ein paar Gurte an einem Schirm befestigt über die Stadt zu fliegen ist einfach unbeschreiblich. Ich genieße die 20 Minuten in schwindelnder Höhe sehr und bin unglaublich beeindruckt: Der Blick, der sich mir auf die Stadt eröffnet ist nochmal ein ganz anderer.

Landpartie in Escobars Villa in Guatape

Nach ein paar Tagen in Medellin langt es uns mal wieder mit Großstadt und wir entschließen uns kurzfristig nach Guatape zu reisen. Das farbenfrohe Städtchen liegt rund zwei Stunden mit dem Bus entfernt von Medellin und dient vielen Städtern als Wochenendregion. Dort werden wir dann doch auch zu Escobar-Touristen, denn wir entschließen uns, seine Villa Manuela zu besichtigen und dort Paintball zu spielen. Escobar wählte Guatape, da damals nur der Stausee zu seiner Residenz führte und er so mit dem 360 Grad-Blick, den das Anwesen bietet, alles kontrollieren konnte und so vor Angriffen gut geschützt war.

Mir hat es einen Schauer über den Rücken gejagt, in dieser alten verlassenen Villa unterwegs zu sein, die durch eine Bombe größten Teils zerstört wurde. Verantwortlich dafür waren die „Pepes“ (Perseguidos per Pablo Escobar – Verfolgte von Pablo Escobar), ein Zusammenschluss von Paramilitärs und ehemaligen Pablo-Verbündeten, die zum Ziel hatten, ihn von seinem Thron zu stürzen. Zusammengebracht wurden diese Seiten vom Cali-Kartell.

2.500 Dollar im Monat für Gummibänder – Pablo muss Millionen bändigen

Trotz der Zerstörung kann ich mir vorstellen, in welchem Luxus der Drogenboss Pablo Escobar gelebt hat und welche Gräueltaten er hier vollzogen hat. Über das Anwesen führt uns eine frühere Angestellte Escobars und versorgt uns mit einigen kuriosen Fakten. So gab der Drogenboss im Monat rund 2.500 Dollar für Gummibänder aus, die seine Geldbündel zusammenhielten. Gut, wenn man am Tag rund 70 Mio. Dollar am TAG verdient brauch man auch das ein oder andere Gummiband.

Ich bin irgendwie ganz froh als wir das Anwesen wieder verlassen und in den bunten Gassen alle zusammen ein typisch kolumbianisches Mittagessen einnehmen. Danach streifen wir durch den kleinen Ort, trinken leckeren kolumbianischen Kaffee und planen, am nächsten Morgen La Piedra del Penol zu besteigen.

Das Mysterium: La Piedra del Penol

Dieser Monolith vor den Toren Guatapes ragt 2.135 Meter in den Himmel und 740 Stufen, die von den Einheimischen gebaut an der Seite des Felsen gebaut wurden, bringen mich auf seine Aussichtsplattform. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über die Seenlandschaft und die vielen kleinen Inseln, die malerisch darin verborgen sind. Wie dieser merkwürdige Felsen entstand ist wohl nicht ganz geklärt, die zwei wahrscheinlichsten Versionen: Er ist ein Überbleibsel der Eiszeit. Oder er wurde beim Ausbruch eines Vulkans „ausgespukt“. Auf jeden Fall ist er nun da. Nachdem wir ihn erklommen haben, kehren wir Guatape auch schon wieder den Rücken und machen uns auf den Weg in die kolumbianische Kaffee-Region nach Salento.

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Botero Plaza in Medellin

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Sightseeing in Medellin

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Seilbahnfahrt in Medellin

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In den Armenvierteln 

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Blick über Medellin

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Gustavo hat alles unter Kontrolle

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Schwerelos über Medellin

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Happy nach dem Flug

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Die Auffahrt zu Pablos Anwesen

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Hier schwamm der Drogenbaron – nicht nur im Geld

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Ross und ich in Pablos Mansion

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Rund um den Marktplatz in Guatape

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Die kleinen Gassen des Ortes

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El Penol

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740 Stufen haben uns diesen Ausblick bereitet

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